weiter nach norden

Unser Plan, die Ålands von Käringsund aus nördlich zu umrunden, fällt Wind und Wetter zum Opfer. Trotz zweier Reffs im Großsegel und gereffter Fock erscheint uns der Weg nach Norden bei schlechter Sicht und engen Fahrwassern hoch am Wind zu anstrengend. Janne und Henning segeln weiter, wir kehren um. Nun sind wir wieder alleine unterwegs.

Nach einem unvorhersehbaren Winddreher kreuzen wir nach Mariehamn und gucken abends auf dem I-Pad das EM-Spiel Deutschland – Polen. Am nächsten Morgen sehen wir nichts. Nebel. Dichter Nebel. Dann wieder weniger dichter Nebel. Wir fahren los, tasten uns per I-Pad Navigation durch das Fahrwasser, sind froh, dass uns bei der Ausfahrt keine Fähre begegnet, hören allerdings auf der weiteren Strecke ihre Nebelhörner tuten. Der Nebel löst sich auf und wir segeln einen langen Schlag bis Seglinge. Ein Schiff liegt bereits im Hafen – die Asgard! Es wird ein netter Abschiedsabend, bevor wir uns aufgrund verschiedener Routen- und Zeitpläne endgültig trennen. Als drittes Schiff kommen noch Felix und Katharina mit der Lupercalia, eine Dehler 35 CWS hinzu. Wir grillen, erleben einen unglaublichen Regenbogen und versacken, nachdem der Regen kommt, unter Deck der Lupercalia bei Wein, Cocktails, kölscher Musik und Seemannsgarn.

Mit Felix haben wir endlich mal einen Berliner Start-up-Unternehmer persönlich kennen gelernt. Er hat sein Unternehmen aufgebaut und bereits erfolgreich wieder verkauft. Momentan segelt Felix fünf Monate um die Ostsee, um danach in den nächsten Job zu springen, der ihn bereits jetzt sehr beschäftigt. Ein interessanter junger Mensch, mit dem die Gespräche nie langweilig werden. Vielleicht sehen wir uns im Götha-Kanal wieder. Wäre schön!

Am nächsten Tag wettern wir den aufkommenden Sturm und Regen in einem kleinen verschlafenen Hafen namens Fiskö ab. Gerade rechtzeitig, bevor der Windmesser auf über 30 Knoten geht und längere Zeit dort stehen bleibt, liegen wir fest und alleine am Steg.

Am nächsten Morgen scheint wieder die Sonne. Mit beständigem Südwind segeln wir die kommenden Tage, meistens unter Spinnaker, manchmal bei wenig Wind auch per Motor, weiter nach Norden. Unsere Stationen auf dem Weg sind die nette Kleinstadt Uusikaupunki, wo wir Lebensmittel und Diesel bunkern, die landschaftlich ganz besondere Insel Kylmäpihlaya vor Rauma, das etwas trostlose Krookka sowie die Insel Kaskinen, die uns einen schönen und ruhigen Ankerplatz beschert. Unsere letzte Station in Finnland ist die Insel Rönskären/Faliskäret.

Ein sehr ärgerliches Manöver passiert uns auf dem Weg nach Kaskinen. Der Tag ist geprägt von wenig Wind, wir motoren viel, aber irgendwann steht der Spinnaker. Bei glattem Wasser rauschen wir dahin. Wie gut, dass wir dieses Segel haben. Wir konnten ihn schon so häufig nutzen und wären ohne ihn um einiges langsamer. Der Wind geht leider nach einiger Zeit wieder zurück und wir beschließen, den Spi zu bergen. Beim Manöver bleibt er dann in den Wanten an der Saling hängen und reißt circa zwei Meter ein. Mist. Wir haben ein riesengroßes Loch. Das ist uns im letzten Jahr auch schon mal passiert, allerdings nur auf einem kleinen Stück. Nichts draus gelernt, Mangel nicht behoben, nun haben wir den Mist. Zum Glück hat der Andi viel Segeltape dabei und wir können den Schaden reparieren. Abends kurbele ich ihn bis zur ersten Saling hoch und er spannt Leinen zwischen die Wanten. Wir hoffen, dass es nun besser geht. Denn ohne Spi wäre es grausam!

Von Mariehamn bis Rönskären/Faliskäret haben wir einen ziemlichen Meilenmarathon hingelegt. Der beständige Südwind half uns, große Distanzen zu überwinden. Je weiter wir Richtung Vaasa kamen, desto steiniger (im wahrsten Wortsinn) wurde unser Weg. So haben wir uns kurzum entschieden, Finnland adé zu sagen und den Bug Richtung Westen zu drehen.

Einfacher gesagt als getan…

happy birthday linn

Patenkinder sind was ganz besonderes. Sie stehen einem nahe. Man beobachtet ihr Leben genau. Und versucht Ihnen ein Ohr zu geben, wenn gewünscht.

Dieser Beitrag ist für mein Patenkind Linn. Sie hat Geburtstag, und über diesen Weg erreiche ich sie im Moment am besten.

Linn, du bist mein drittes Patenkind und das jüngste. Heute hast du Geburtstag und wirst schon neun. Ich gratuliere dir von Herzen und wünsche dir einen wundervollen Tag, viele Geschenke, eine coole Geburtstagsparty, und alles was du dir noch so wünscht.

Sonst schicke ich dir immer ein Geschenk zum Geburtstag. In diesem Jahr sind wir unterwegs in der Welt, was das Schicken ein wenig erschwert. Ich halte Ohren und Augen auf. Vielleicht begegnet mir in den kommenden Monaten etwas, dass dir gefallen könnte. Das bringe ich dann mit und gebe es dir ganz persönlich, wenn wir uns im nächsten Jahr sehen. Zunächst einmal ein paar Fotos aus der schönen finnischen Natur für dich zum träumen:

Ganz liebe Grüße schickt dir deine Moni.

Schön, schöner, Alands

Seit einer Woche sind wir auf den Ålands unterwegs. Eine Inselgruppe, die Träume weckt. Weit entfernt für den Segler der westlichen Ostsee und nahezu unerreichbar im zwei- oder dreiwöchigen Sommertörn. Unsere Träume, die wir über diese Inselgruppe hatten, werden mehr als erfüllt. Wir sind begeistert!

Nach wir vor spielt das Wetter mit. Es hatte sich zwar ein wenig abgekühlt, aber die letzten Tage sind wieder kurze-Hose-warm. Nach wir vor segeln wir im Doppelpack zusammen mit der Asgard. Das macht viel Spaß, sowohl unter Segeln, als auch danach. Es ist einfach nett, wenn man in der Sportsbar in Mariehamn zu viert zum Deutschlandspiel aufläuft:).

Unser erster Hafen, oder vielmehr Steg, ist Husö. Der Hafenguide beschreibt diesen Ort als verfallen mit einem kaputten Steg, aber der Steg ist ganz neu gemacht und es steht privat dran. Wir machen trotzdem fest und werden von zwei Schweden mit einer Swan (eine ganz besondere Segelyacht) darauf hingewiesen, dass nur Clubmitglieder hier liegen dürfen. Wir bleiben trotzdem; ungestört, kostenlos und mit ganz viel Ruhe.

Am nächsten Tag geht es weiter in Richtung Süden mit viel Wind und engen Fahrwassern mit wenig Tiefgang. Zum ersten Mal ist es bedeckt. Wir rasen auf Grund des starken Windes viel zu schnell durch diese schöne Landschaft, vorbei an zig Schären, roten Ferienhäusern, privaten Stegen und idyllischen Buchten. Es ist ein wenig wie segeln in Holland mit Abdeckungen, die den Wind wegnehmen und dann wieder freien Stellen, die uns Böen mit 22 Knoten bescheren. Am Nachmittag kommt die Sonne zurück. Wir finden wieder einen dieser Traumplätze in Rödhamn. Morgens gibt es frisch gebackene Brötchen mit Wetterbericht, handschriftlich auf der Brötchenbütte.

Sonntag ist der erste Spieltag von Deutschland in der Fußball-Europameisterschaft in Frankreich. Das wollen wir sehen. Mariehamn, die Hauptstadt der Ålands ist unser Ziel. Dort soll es eine Sportsbar geben. Auf dem Weg machen wir einen Abstecher auf die ganz kleine Schäre Kobbaklinta. Die Einfahrt ist verdammt eng und flach. Am Steg liegen wir mit unserem Ruderblatt direkt neben einem dicken Stein. Hoffentlich kommt kein Schwell von einer der zahlreichen in der Nähe passierenden Fähren. Aber alles geht gut, wir verbringen einige Zeit auf der besonderen Insel und kommen ohne Probleme wieder raus aus dem Hafen.

In Mariehamn ist wieder saunieren angesagt. Und Fußball gucken mit Pizzaessen in der Sportsbar. Ein perfekter Abend, und Deutschland gewinnt 2:0 gegen die Ukraine. Im Hafen liegen langsam mehr Boote und wir treffen einige deutsche Segler. Die Saison beginnt. Wir proviantieren uns mal wieder. Und im Cockpit werden andere Spiele der Fußball-EM geguckt, auf dem Tablet und über VPN. Läuft!

Wer Urlaub in den Schären macht, träumt davon, an einer Schäre festzumachen und dort die Natur und die Einsamkeit zu genießen. Dafür müssen Wind und Wetter stimmen, was am kommenden Tag bei uns der Fall ist. Und wir landen an einer Traumschäre an einem Traumabend: Sonne pur, grillen auf der Schäre und es wird einfach nicht dunkel.

Die Ålands sind ein wahres Traumrevier. Wir könnten hier Wochen und Monate verbringen. Es gibt unendlich viele Häfen, Buchten, Ankerplätze. Wir sehen uns nicht satt an der Schönheit der Natur. Wir leben in den Tag hinein und bleiben, wo es uns gefällt. Genau das haben wir uns gewünscht.

 

doppelt schön

Seit Hanko sind wir mit zwei Booten unterwegs. Dort haben wir Janne und Henning mit der Asgard wiedergetroffen. Und sind einfach zusammen los in Richtung Åland-Inseln.

Am ersten Tag landen wir auf der Insel Högsara – ein bezauberndes kleines Eiland mit 45 Einwohnern und einem entzückenden Café. (Danke Silja und Jan für diesen super Tipp auf eurem Blog!

Die Familie, die das Café betreibt, lebt seit vielen Generationen auf der Insel. Sie öffnen erst am kommenden Wochenende für die Saison, aber es gab trotzdem schon köstlichen Rhabarber-Käsekuchen sowie eine prächtige Schokoladentorte. Man sitzt in einem schönen Garten mitten in der Natur. Alles ist sehr liebevoll gestaltet, sowohl innen im Gutshaus, als auch draußen. Im Sommer kommen täglich etwa 500 Gäste in dieses bekannte Café. Schon am Hafen gibt es Gastliegeplätze für diesen Zweck. Ein ganz besonderer Ort!

Der Segeltag nach Högsara war eher ambivalent. Wir sind jedes Manöver gefahren, mussten motoren, die Segel reffen, den Spinnaker setzen und wieder bergen. Die erste Gewitterfront auf unserer Reise hat gnadenlos zugeschlagen. Zum Glück waren Blitz und Donner weiter entfernt, dafür der Regen eisig. Aber nach einer halben Stunde war alles vorbei und die Sonne kam wieder raus.

Von Högsara sind wir nach Jurmo gesegelt. Ein super Sonnen-Segeltag und eine karge Ostseeinsel mit Heidelandschaft. Es gibt keine Versorgung und keine sanitären Anlagen, und man hat ein wenig das Gefühl, kurz vorm Ende der Welt zu sein.

Bevor der angesagte Starkwind kommt segeln wir tagsdrauf weiter in einen geschützten Hafen auf Korpo. Mittlerweile sind wir nicht mehr alleine in den Häfen. Man merkt, dass die Saison langsam losgeht. Duschen und Sauna müssen wir uns zukünftig mit anderen teilen. Überrascht sind wir, hier eine Männerchartercrew aus Österreich zu treffen.

Das segeln durch die Schärenwelt ist etwas ganz besonderes, dass wir so noch nicht kennen. Es erfordert Aufmerksamkeit bei der Navigation und ist sehr abwechslungsreich. Ständig verändern sich die Perspektiven. Und überall gibt es tolle Plätze zum anlegen und ankern. Eine ganz andere Welt als unser Revier, die westliche Ostsee.

Wir finden es auch sehr schön, mit zwei gleich großen Schiffen unterwegs zu sein. Wir quatschen Abends miteinander und besprechen die Welt. Wir grillen und kochen gemeinsam, schmeißen unsere Vorräte zusammen und spinnen Seemannsgarn. Unterwegs fotografieren wir uns gegenseitig unter Segeln und werten unsere Manöver abends aus. Und wir trinken zusammen und haben einfach Spaß! Es ist sehr schön mit euch, Janne und Henning!

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Sobald sich das Wetter beruhigt geht es weiter Richtung Åland.

 

Entzücken overload

Gefühlt hätten wir noch Wochen in Helsinki bleiben können. Wir entscheiden uns fürs Weiterfahren durch das Schärenfahrwasser in Richtung Hanko. Ab in die Schärenwelt. Traum und Abenteuer. Zum ersten Mal. Wir sind aufgeregt.

Es ist Sonntag und die Sonne scheint, dementsprechend sind eine Menge Boote auf dem Wasser. Aber je weiter wir uns von Helsinki entfernen, desto einsamer wird es. Mit Wind von hinten gleiten wir unter Spinnaker durch diese einmalige Landschaft. Leider läßt sich die Faszination überhaupt nicht auf den Fotos festhalten. Egal – wir nehmen sie in unseren Köpfen mit.

Kurz vor unserem Tagesziel rauschen wir unter Spinnaker in ein Fischernetz. Na bravo. Zwei Leinen bleiben am Ruderblatt hängen, wir müssen drehen. Schnell, denn wir sind recht nah an einigen Felsen. Und das unter Spi. Zum Glück ist nicht so viel Wind, und irgendwie kriegen wir den Spi rein. Aber wie werden wir das Netz los? Nicht weit in Lee liegt ein dicker Stein im Wasser. Wir müssen hier weg, aber motoren geht nicht – die Leine könnte sich schnell um die Schraube wickeln. Kurzerhand trennen wir die Fischerleine durch (Entschuldigung, Herr Fischer) und kommen frei. Puh!

Nachts liegen wir an einem kleinen Privatsteg und hören nichts außer dem Zwitschern der Vögel. Die Saison ist noch nicht gestartet. Alle Häuser sind leer. Idylle pur.

Die Navigation zwischen den unzähligen Felsen, Inseln und Inselchen ist tricky und erfordert unsere ganze Aufmerksamkeit. Mit iPad und Seekarte ist es aber dann doch einfacher als wir befürchtet hatten. Mittlerweile fühlen wir uns auch ganz nah an den Steinen pudelwohl und sicher.

Der folgende Tag führt uns durch den Barösund, eine enges Fahrwasser mit Felsen, Inseln, pittoresken Ferienhäusern und Stegen recht und links. Und so geht es weiter, leider unter Motor, weil es windstill ist. Wir legen an in Tammissare (auch Ekenäs genannt), einer netten Kleinstadt, und bleiben gleich zwei Nächte. Die Stadt ist bekannt für ihre traditionellen und gut erhaltenen finnischen Holzhäuser. Wir bunkern Lebensmittel nach und segeln weiter nach Hanko, dem Segelmekka Südfinnlands.

Hanko liegt direkt an den Schären und verströmt skandinavische Sommerfrische. Der Himmel ist weit und blau, die Sonne geht um kurz vor zwölf unter und schon kurz nach drei Uhr wieder auf. Es fällt immer schwerer ins Bett zu gehen. Allerdings ist es kühler geworden. In Tammissare war es schwül und gewitterig. Das ist vorbei.

Wir treffen Janne und Henning mit der Asgard wieder, grillen im Cockpit der beiden und planen, am nächsten Tag gemeinsam zu segeln. Was dann passierte, lest ihr in Kürze!

die spinnen, die Finnen?

Dachten wir noch in Tallinn, als wir beobachten durften, wie die Karawane von Einkaufswagen über die Pier geschoben wurde. Der Inhalt: Alkohol in jedweder Form und vor allem unfassbarer Menge. Alkohol ist in Finnland sehr teuer, weil hoch besteuert. Deshalb wird im nahen und preiswerteren Tallinn gerne gebunkert. Wir waren also gespannt, was uns in Finnland erwartet.

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Tallinn:  Helsinki´s Alkohollager?

Es wurde ein fantastischer Segeltag mit einem Anlieger fast genau auf das 46 Seemeilen entfernte Ziel zu. Lediglich kurz vor der schmalen Durchfahrt zwischen zwei Schären war ein Kreuzschlag nötig.

Kurz zuvor ein weiteres Mal die Uniformierten. Ein Polizeiboot (incl. Drogenhund) kam längsseits und forderte uns auf, Fahrt aus dem Schiff zu nehmen. Ein kurzes Interview – woher, wohin, wie viele an Bord – und wir durften ohne weitere Kontrollen weitersagen. Später haben wir erfahren, dass seeseits oft illegale Einwanderer einreisen.

Und dann diese Stadt!

Ich habe mich verknallt, Hals über Kopf. Bin ab jetzt Botschafter für Helsinki. Summer in the city. Hier ist alles schön. Die Menschen lächeln, lachen, strahlen. Wer bemerkt, dass wir Deutsche sind, spricht uns auf deutsch an. Die Straßencafes sind voll, es läuft Musik, auf den Schären und am Wasser, das in dieser Stadt allgegenwärtig ist, tummeln sich Sonnenhungrige und Badewütige. Das Leben hier scheint entspannt.

Wir schnappen uns die Räder und radeln drauflos. Klar, Sehenswürdigkeiten: der Dom mit dem Senatsplatz, die Felsenkirche, der Bahnhof, ein wenig moderne Architektur, etc.

Aber auch durch die kleineren Viertel mit den Holzhäusern, und natürlich immer am Wasser lang.

3 Nächte haben wir jetzt hier in dieser tollen Stadt verbracht. Gestern nachmittag lief dann noch die Asgard mit Janne und Henning ein, die auch auf der Ostseerunde unterwegs sind, und wir haben den Abend gegrillt und gequatscht. Heute beginnt unser Reiseabschnitt mit den kürzeren Strecken und geänderter Richtung, denn wir haben den östlichsten Punkt unserer Reise erreicht. Ab jetzt geht es westwärts.

Tallinnissimo!

Nächstes Ziel: Tallinn.

Der Weg hat uns aufgrund der Streckenlänge über Lohusalu geführt. Ein kleiner verschlafener Ort, inmitten wunderschöner Natur und duftenden Kiefernwäldern sowie einem eingezäunten Privathafen mit Security (gleichzeitig Hafenmeister) und den besten Sanitäranlagen, die wir bislang auf unserer Reise erleben durften – Sauna included. Uns zu Ehren wurde dann auch noch die deutsche Flagge gehisst.

Die 46 Seemeilen dorthin hatten es in sich: Achterlicher Wind mit immer mehr als 20 Knoten und eine beachtliche Welle haben uns in Rekordtempo über den finnischen Meerbusen gepustet.

Am Freitag ging es weiter nach Tallinn.

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Tallinn: Stadtpanorama von See

Vor der stark von Fährverkehr frequentierten Einfahrt in den Yachthafen „Old City Marina“ erwarteten uns zunächst mehrere Kreuzfahrtschiffe und versperrten den Blick. So haben wir auch die Ampel, die die Einfahrt für Sportboote regelt, nicht wahrgenommen und sind einfach rein… Zum Glück ohne Folgen, den eigentlich muss man Port Control anfunken und um Freigabe der Einfahrt bitten.

Der Yachthafen liegt mitten in der Stadt. Alle Sehenswürdigkeiten sind von dort fußläufig zu erreichen. Die Liegegebühr ist mit 40 €/Nacht sehr hoch, allerdings ist alles enthalten (Duschen, Sauna, Waschmaschine, Trockner, etc.) und für die zentrale Lage gerechtfertigt.

Nach all den kleineren Orten und einsamen Bootsstegen war es herrlich, mal wieder in einer größeren Stadt zu sein. Tallinn ist eine besondere Stadt: offen, modern, quirlig, aber  leider auch mit Touristen überschwemmt. Abseits der bunten Altstadt mit ihren verwinkelten Gassen sind wir durch das hippe Holzhausviertel sowie die auflebende und mit moderner Architektur durchzogene alte Speicherstadt gezogen.

Und da wir als nächstes Richtung Finnland segeln, haben wir im preiswerten Tallinn noch einmal kräftig nachgebunkert.

Der Hafen war übrigens voller Finnen, die mit ihren Segel- oder Motorbooten über das Wochenende aus Helsinki nach Tallinn kamen. Aber dazu im nächsten Beitrag mehr.

nordish by nature

Die Natur hier oben im Norden ist überall gleich. Gleich schön. Unglaublich schön. Alles steht in voller Blüte. Die Fliederhecken versprühen ihren Duft bis auf die Barbie. Prall grün sind die Bäume. Dazu der tiefblaue wolkenlose Himmel. Hin und wieder mal ein paar Schäfchenwolken. Menschen eher Fehlanzeige.

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Egal ob in Schweden, auf Gotland, in Estland – die Schönheit der Natur ist überall überwältigend. Unterschiede gibt es lediglich da, wo der Mensch am Werke war. Die Schweden verstehen es, wunderbare Stimmungen zu schaffen durch Architektur und Gestaltung. Ganz anders im Osten, in Estland. Hier ist vieles dem Verfall preisgegeben. Oder war niemals schön. Die Häfen auf den Inseln bieten nichts, bis auf alte, vergammelte Stege ohne Wasser, ohne Strom, ohne Dusche. Wir liegen an Autoreifen, die vor der Mauer schützen. Man ist verwöhnt, wenn man aus Schweden kommt.

Weg mit den Gedanken an die unwichtigen Dinge wie Strom und Wasser und WLAN! Wir bemerken, wie wir noch in diesen Kategorien denken und Plätze ausschließlich danach beurteilen und aussuchen. Dabei sind wir doch losgefahren, um die pure Natur zu erleben. Nur Vogelgezwitscher und den Wind in den Bäumen wollten wir hören. Es fällt uns schwer, das ohne die Annehmlichkeiten der Zivilisation zu genießen.

Und dann gibt es da noch etwas, dass ganz anders ist als in unserem Heimatrevier, in der westlichen Ostsee. Hier, ganz weit im Osten, geht die Sonne im Meer unter. Die Sonnenuntergänge und -aufgänge, die wir bisher erlebt haben, waren spektakulär. Und dann der phantastische Vollmond während unserer Nachtfahrt von Gotland auf die Insel Saarema in Estland. Die Nacht war nicht dunkel. Wir konnten fast lesen mit dem Licht des Mondes. Was für ein Geschenk. Und was für ein Wunder der Natur.

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happy in Haapsalu

Wir fühlen uns wie Entdecker.

Nach der Nachtfahrt von Schweden aus hat uns Estland wirklich willkommen geheißen. Spiegelglattes  Wasser, Barbie schneidet mit ihrem Bug wie ein heißes Messer durch Butter und läuft wie auf Schienen unserem ersten Hafen in diesem für uns neuem Land entgegen: in Veere machen wir die Leinen fest. Abklatschen, Zähne putzen, Koje. In fünf Stunden haben wir einen Teil des fehlenden Schlafes nachgeholt und Lust, uns umzuschauen. Unser Hafenführer verspricht Wasser und Strom am Steg, ebenso Duschen und ein WLAN. Wir finden – nichts. Verfallener „Ostcharme“ ringsum. Die hohe Betonmauer mit den LKW-Reifen dran sah um 05.30h auch einladender aus. Wir beschließen, das Frühstück auf See einzunehmen und den Hafen zu wechseln – kann ja nur besser werden. Dachten wir.

Söru auf der Nachbarinsel Hiiumaa und Orissaare auf Saarema waren unsere nächsten Ziele. Gefunden haben wir unendliche Stille, sehr viel schöne Landschaft und sehr wenig Komfort, denn in keinem der Häfen gab es Wasser oder Duschen.

Ganz anders Haapsalu. Eine verträumte kleine Kurstadt mit netten Lokalen, hübschen bunten Holzhäusern und viel Wasser drumrum. Und im Hafen wurde nicht nur zu unseren Ehren die deutsche Flagge gehisst – es gab auch sehr heiße Duschen und ein WLAN. Hier gefällt es uns gut.

Nachsatz: Auf Hiiumaa waren wir übrigens mal wieder mit den Rädern rum, um noch etwas mehr von Land und Leuten aufzusaugen. Im Gepäck ein 10-Liter-Kanister, denn es sollte eine Automatentankstelle geben.

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Andi betankt sein Bike 😉

Klappt ausgezeichnet. Die Überraschung ist allerdings groß, als ich zwei Tage später eine Nachricht einer mir unbekannten Norwegerin bekomme, die meine Kreditkarte an der Zapfsäule gefunden und mich per Facebook ausfindig gemacht hatte! Am nächsten Tag kam sie mit ihren Freunden durch Haapsalu und brachte mir die Karte! An dieser Stelle nochmal meinen herzlichen Dank, Katz Ma!!

Das Revier hier ist genau so wie wir es lieben – spiegelglattes Wasser, geschützt durch die Inseln rundum. Aber leider auch momentan recht windarm, so dass wir immer mal wieder für mehrere Stunden motoren müssen. Janne und Hennig sind mit ihrer Asgard ein paar Tage hinter uns. Schön zu lesen, dass sie das Segeln hier ebenso empfinden.

Bislang ist uns aufgefallen, dass die Menschen hier sehr zurückhaltend sind; man sieht sie kaum lachen oder lächeln. Der Sinn, es sich selbst und anderen nett zu machen, erscheint uns im Vergleich zu Schweden eher gering ausgebildet. Nun sind wir gespannt auf Tallinn.

OK, der Hafenmeister hat alles versucht – zumindest im Herren-WC:

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Zwei Centerfolds – ich tippe auf 80er – 90er Jahre

Und wenn nix mehr hilft, machen wir´s uns halt selber nett:IMG_3296

 

sailing east – von Schweden nach Estland

Das digitale Fasten hat ein Ende. Wir haben nach mehr als einer Woche wieder WLAN!

Vor gut einer Woche sind wir in Kalmar nach zwei Tagen Schietwetter wieder los. 24 Stunden hat es durchgeregnet. Das kann gerne so weiter gehen: Zwei Wochen Sonne pur, dann 24 Stunden Dauerregen. Seit Kalmar scheint sie nämlich tatsächlich täglich von Sonnenauf- bis Sonnenuntergang. Und jeden Tag kommt ein Grad Wärme dazu. Derzeit sind wir bei Tagestemperaturen von 24 Grad. Sommer!!! Der Heizlüfter ist verpackt, die Merinowolle-Unterwäsche auch.

Aber der Reihe nach. Von Kalmar, einer netten schwedischen Kleinstadt, sind wir nach Borgholm auf Öland und von dort nach Byxelkrog, ebenfalls auf Öland gesegelt. Es ist schon komisch, wir sind fast immer das einzige Schiff im Hafen. Auch unterwegs begegnen wir fast niemandem. Hin und wieder treffen wir ein schwedisches oder auch deutsches Rentnerpaar, das die Saison auf dem Schiff verbringt. Dementsprechend sind die Häfen leer, die Läden geschlossen, die Restaurants ebenso. Wie gut, dass wir perfekt proviantiert sind. Brotbackmischungen, Müslimengen und Schokolade machen sich bezahlt.

Von Byxelkrog geht es nach Visby auf Gotland. Ein 50 Meilen-Schlag, wie er besser nicht hätte sein können. Stundenlanges segeln unter Spinnaker, mäßige Winde von hinten. Echt entspannt. In Visby dasselbe Bild: Vier Schiffe im riesengroßen Hafen. Ein Finne, ein deutsches Boot, ein Schwede und wir. Die Stadt ist toll, viel Kultur und Geschichte.

Es geht weiter nach Färö, eine kleine Insel fast an Gotland dran ganz im Norden. Ein bezaubernder Hafen, noch ein Schiff aus Schweden und einige Wohnmobile. Sonst nur Vogelgezwitscher. Mit den Rädern entdecken wir sehr coole Steinformationen und verirren uns in der Landschaft. Der Pathfinder Andi rettet uns rechtzeitig vor dem sicheren Tod.

Am Samstag steht der Wind gut für unsere erste – und wahrscheinlich auch letzte – Nachtfahrt nach Estland. Wir starten um acht Uhr morgens und wollen 110 Seemeilen bis Saarema segeln. Die Tour wird beherrscht von den Gedanken an den großen BVB, der heute das Pokalfinale gegen die Bayern bestreitet. Den ganzen Tag schicken wir jede Menge Karma nach Berlin bei gehisster BVB-Flagge sowie Schal und Trikot am Mann/der Frau. Hat leider nix geholfen…:-(

Insgesamt war die Nachfahrt easy, was vor allem mit dem Vollmond zu tun hatte. Bei sternenklarem Himmel konnten wir fast lesen, so hell war es. Außerdem ist hier die Nacht bereits besonders kurz. Also kein Problem. Um 5. 30 Uhr sind wir in Veere auf Saarema nach insgesamt 20,5 Stunden, allerdings auch sieben Stunden bei wenig Wind unter Motor. Der Spinnaker stand fünf Stunden und hat uns richtig nach vorne gebracht. Leider mussten wir ihn gegen 23.00 Uhr runterholen, weil es uns zum Spisegeln dann doch zu dunkel wurde.

Kulinarisch war die Überfahrt ein Gedicht. Die von meiner Ex-Kollegin Patricia gekochte Kartoffelsuppe mit Würstchen kam ebenso zum Einsatz wie die selbst gebackenen Kekse meiner Schwiegermutter. Herrlich!

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Köstliches kulinarisches Reisegepäck

Wir wechseln uns bei solchen Strecken stündlich ab, was auch in der Nacht bestens funktioniert hat. Einige Frachtschiffe und ein Kreuzfahrer in Weihnachtsbaumbeleuchtung waren unterwegs, aber wir sind nur ein einziges Mal ausgewichen.

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Sieht weiter aus als es war…

Eine merkwürdige Begegnung hatten wir jedoch an diesem Tag. Mitten auf dem Meer entdecken wir ein schwedisches Marine-Stealthschiff, das seinen Kurs ändert und mit hohem Tempo direkt auf uns zuhält. In nächster Nähe bleiben sie hinter uns stehen. Gleichzeitig fällt unser GPS aus, und das Lot zeigt im Wechsel Wassertiefen zwischen 2,90, 52,50 und 165 Metern an. Ein U-Boot unter uns, und die Schweden haben es entdeckt? Eine Stunde später umkreist uns mehrfach in sehr geringer Höhe ein Militärflugzeug und dreht danach wieder ab. SCARY!

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Was wollten die von uns?

Seit vier Tagen sind wir in Estland und nun auf dem Weg Richtung Tallinn. Dazu später mehr.