zu viert im fünf-knoten-takt

Wir sind gespannt auf den Göta-Kanal. Er zieht sich mitten durch das Land und wird „Das Blaue Band Schwedens“ genannt. Im 19. Jahrhundert im Zuge der Industrialisierung geplant wurde er schon einige Jahre nach Fertigstellung von der Eisenbahn abgelöst und dient heute nur noch dem Tourismus. An den Schleusen stehen viele Schaulustige und glotzen. Das Schleusen klappt bei uns super, weil wir zu viert sind. Mit Tom und Tinne haben wir die perfekte Unterstützung. Es bleibt Zeit für Wein, Leckereien, Musik und Tanz.

Ihn dieser Woche sind wir bis Sjötorp am Vänernsee gekommen. Insgesamt 58 Schleusen, davon 38 rauf und 20 runter, und 90 Seemeilen haben wir geschafft. Und dabei viele Bekanntschaften geschlossen und Gespräche geführt. Sehr schön ist es mit dem „Schleusenpersonal“, alles Studentinnen und Studenten, die das als Sommerjob machen. Sie sind alle supernett, total kommunikativ und sehr auskunftsfreudig. Den Höhepunkt mit Ihnen haben wir an Andis Geburtstag erreicht. In jeder der insgesamt 16 Schleusen an diesem Tag haben wir ihm ein Geburtstagslied gesungen. Jakob und in der übernächsten Schleuse seine Kollegin Maja greifen das auf und stimmen schwedische Geburtstagslieder an. Total süß!

Der Kanal verändert sein Gesicht täglich. Mal geht es durch kleine, beschauliche Orte mit netten Cafés, manchmal über größere Wasserflächen wie den Roxen oder Viken. Wir erinnern uns an das Segeln in Friesland. Beschaulichkeit und Ruhe pur. Der schwedische Sommer erlaubt Badestopps wann immer wir wollen. Es wimmelt vor Kindern und Jugendlichen, die das, wie wir, ausgiebig und ausgelassen nutzen.

Zum ersten Mal sehen wir in Schweden landwirtschaftlich genutzte Flächen, Felder, Kühe. Aber auch dichte Wälder, große und imposante Bäume. Der Göta-Kanal hat einen langen Wander- und Fahrradweg neben sich, genutzt von Radlern, Joggern und Spaziergängern. Und von Tobi.

Nichts ist planbar im Göta-Kanal. Manchmal schlüpfen wir durch eine Schleuse nach der anderen. In Borensberg kommen wir um 14.00 Uhr an und schleusen zwei Stunden später gemeinsam mit einer deutschen Yacht, die bereits fünf Stunden gewartet hat. Entsprechend maulig war der Skipper und liess uns das mächtig spüren. Als er den „verrrantworrrtlichen Schiffsführerrrr“ sprechen will, schauen wir uns kurz an und prusten vor Lachen los. Hat nur wenig zur Entspannung beigetragen… Und Andis Titel ist seitdem gesetzt.

Schweden zieht im 4,5-Knoten-Takt an uns vorbei. Vertraut, weil es landschaftlich an Deutschland erinnert. Und insgesamt wenig aufregend (im positiven Wortsinn), gemütlich, langsam, von Muße geprägt. Eben ganz anders als das Segeln auf der Ostsee. Andreas vermisst das Segeln ein wenig, wir drei anderen freuen uns ganz uneingeschränkt des Lebens.

Ein Lichtblick nach all dem Motoren ist der Vänernsee, das „große Wasser“ Schwedens, 11mal so groß wie der Bodensee. Wir freuen uns auf einen Schlag nach Mariestad, der leider mächtig in die Hose geht. 30 Knoten Wind in Böen von vorne sind einfach zu viel für die Barbie. Wir drehen um und fahren zurück nach Sjötorp.

DSC_5906
Sjötorp – die Einfahrt zum Göta-Kanal

Seit fast zwei Wochen sind wir nun zu viert unterwegs. Das gute Wetter macht ein bequemes Leben auf der Barbie möglich. Aufgrund der Enge im Vorschiff schläft Tobi im Salon (auf einem Brett auf dem Flur ist seine Interpretation). Wir haben uns gut eingespielt. Andi und ich müssen uns allerdings nun wieder ans alleine sein gewöhnen, denn die zwei verlassen uns. Aber das wird schon. Schließlich sind wir jung verheiratet:-).

Drei Monate sind wir jetzt unterwegs. Wir werden oft gefragt, wie es sich denn anfühlt, nun auf dem Rückweg zu sein. Wir fühlen uns nicht auf dem Rückweg, im Gegenteil. Weiterhin folgt ein neues Highlight auf das andere. Zudem ist erst ein Viertel unseres gesamten Jahres verstrichen, und wir haben schon so viel erlebt und gesehen!

Das Abenteuer geht weiter.

wie ferien auf saltkrokan

Jetzt ist er da – der Sommer in Schweden. Sonne pur. Hohe Temperaturen. Ferienstimmung. Und immer eine frische Brise durch den Seewind. Es fühlt sich an wie bei Pippi Langstrumpf. Ferien-auf-Saltkrokan-Feeling.

In Stockholm fängt es schon an damit. Die Stadt zeigt sich bei Sonne von ihrer besten Seite. Und trotzdem ist es sehr ungewohnt, nach all der Natur in eine pulsierende, laute Großstadt voller Autos und Menschen zu kommen. Einen Tag schauen wir uns um, essen überteuertes Softeis und kommen nicht so richtig in dieser schönen Stadt an. Da wir Stockholm aber auch schon von mehreren Besuchen kannten, haben wir nicht das Gefühl, uns viel ansehen zu müssen, und der Abschied fällt uns leicht.

Am Mittwochmorgen kommen Tom und Tinne mit dem Flieger aus Düsseldorf zu uns an Bord. Gleichzeitig erreicht uns über DHL eine Weinnachschublieferung aus Deutschland, weil unser Vorrat erschöpft war… Wir danken dem edlen Spender von Herzen für diese willkommene Überraschung!

 

Wir verlassen zu viert die Stadt über den schönen Kanal Baggensfjärden und legen uns an die Schäre in Napoleonsviken. Zusammen mit vielen anderen. Hochsaison halt, aber es ist weniger schlimm als erwartet.

Unser Ziel für diese Woche ist der Göta-Kanal. Es sind noch 100 Meilen dahin, die wir in den kommenden Tagen gut schaffen. Von Napoleonsviken geht es nach Nynäshamn, einen großen Hafen, und an die wunderbare Schäre Lilla Trassö. Mittlerweile sind wir Profis beim Anlegen an der Schäre. Übung macht den Meister. Auf der Schäre fiel dem Grill ein Kilogramm Schweinefilet zum Opfer. Im Ganzen gebraten. Die warmen Steine, der gekühlte Alkohol und die heiße Mucke taten ihr übriges. The „eye of the tiger“ mutierte zum song of the day.

Musikalisch wurde the eye of the tiger am Folgetag von Abba abgelöst. Und in Arkösund treffen wir Peter und Krimhild mit ihrem neuen Glüxkind, einer X37.

Foto 23.07.16, 20 11 35
Lecker Burger mit Fritten und lieben Menschen
DSC_5614
Frühstück auf Glüxkind
Foto 23.07.16, 21 20 58
Peter, Kriemhild, Tobi, Andi, Moni, Tinne

Und dann endlich sind wir da, am Göta-Kanal. Wir trennen uns schweren Herzens von den Ost-Schären und freuen uns auf das nächste Abenteuer.

DSC_5626

Mehr zu Schwedens „blauem Band“ in einer Woche – W-LAN vorausgesetzt…

nix als schärereien

Endlich sind wir da. Im Stockholmer Schärengarten. Traumziel eines jeden Ostseeseglers. Hunderte, gar tausende kleiner Inseln und Inselgruppen. Glatt gewaschene Felsen mit Kiefernwäldern. Wunderschöne Anlegestellen direkt am Stein. Glattes Wasser, auch bei viel Wind. Blauer Himmel mit Schäfchenwolken. Verträumte, versteckte und sichere Ankerbuchten. Ein Spiel der Farben, wie es schöner nicht sein kann. Und ganz viel Natur. Es ist so schön hier!

Unsere erste Schäre liegt im äußeren nördlichen Schärengürtel, heisst Inra Hamnskär und erfüllt alle Träume. Den Tipp haben wir von einem schwedischen Liegeplatznachbarn in Fladen. Wir liegen zuerst ganz allein, später kommen noch vier weitere Boote hinzu. Es bleibt viel Platz, man stört sich nicht. Wir grillen auf den warmen Steinen und fühlen uns wie im Paradies.

Das könnte so weitergehen, wenn da nicht die vielen anderen Segler und diese Unmengen an Motorbootfahrern wären. Grade die letzteren schaffen es spielend, das eigentlich glatte Wasser ordentlich aufzuwühlen und uns so das schöne Leben ein klein wenig unschöner zu machen.

Es ist rappelvoll in Stockholms Schären – High Season. Das ist vergleichbar mit dem Juli in der dänischen Südsee. Spätestens um 12.00 Uhr sind alle Plätze belegt. Es heißt also: früh aufstehen und nicht so große Stecken planen. Wir fügen uns diesem Gesetz und starten drei Tage hintereinander schon um 8.00 Uhr. Das klappt zweimal wunderbar. Am bis dahin einzigen Regentag in den Schären wollen dann jedoch alle in die Häfen und wir haben keine Chance auf einen Hafenplatz. Und das, wo wir eine Dusche und Strom zum Aufladen der komplett entleerten Batterien dringend brauchen. Also wieder an die Schäre in eine hübsche kleine Bucht, allerdings mit 35 weiteren Booten.

Am nächsten Tag landen wir im Segelmekka der schwedischen Ostküste, Sandhamn. Das Saint Tropez Schwedens: fette Motorboote, Party auf allen Stegen, Jetset pur. Es ist Ferienzeit, und es ist Samstag. Vorm Hafen dreht ein gutes Dutzend Boote Kreise und lauert hektisch auf einen frei werdenden Liegeplatz. Zum Glück können wir in die benachbarte Bucht Lökholmen flüchten, uns die Sache mit Hilfe einer kurzen Fährfahrt anschauen und dann nach zwei Stunden und einem großen Softeis wieder in die Ruhe abtauchen.

Kurz vor Stockholm werden wir durch zwei weitere herrliche Plätze belohnt: an der Schäre in der Bucht Langvig auf Nämdö und in der Ankerbucht Napoleonsviken, in der bereits Napoleon (daher der Name) ein Bad nahm. Nun ist es hier 19.00 Uhr, und es sind inzwischen über 50 Boote an Felsen und vor Anker. Eigentlich wie Hafenliegen, nur ohne Strom und umsonst. Der am Nachmittag aufkommende Regen ist uns herzlich egal. Hätten wir nur zwei Wochen Urlaub, wäre das anders.

Wir könnten Wochen hier verbringen. Jeden Tag in eine neue Bucht segeln, immer gespannt darauf, wie es dort aussieht, welche Besonderheiten uns erwarten. Und dann beobachten wer sonst noch so kommt, wie angelegt wird, dabei helfen und Leinen halten. An der Schäre gilt Solidarität, sobald man seinen Platz gefunden hat. Jeder hilft jedem.

Apropos jeder hilft jedem. Es geht weiter mit unvergesslichen Bekanntschaften. Die guten Tipps für Stockholms Schären bekommen wir im Vereinshafen auf der kleinen Insel Fladen vom Eigner des Nachbarbootes (s.oben). Und in Norrtälje treffen wir ein ganz besonderes deutsches Pärchen aus Kiel Mönkeberg, Alo und Peter. Die zwei verbringen seit 15 Jahren jeden Sommer mit ihrem Boot in Schweden. Davor haben sie acht Jahre das Mittelmeer besegelt. Unglaubliche 70.000 Seemeilen liegen in ihrem Kielwasser. Die 80 haben beide hinter sich gelassen. Wir sind voller Bewunderung. Und verbringen einen unvergesslichen gemeinsamen Abend an Bord ihrer Plejade.

Seglerisch ist unsere Woche 12 wunderbar. Wir haben immer Wind, manchmal auch zu viel davon. Die Motorzeiten liegen jeden Tag unter einer Stunde. Und es gelingt uns, die eine oder andere Yacht zu versegeln. Erst heute haben wir auf der Kreuz eine Elan 40  abgehängt 🙂 ! Das Wetter ist ein wenig gemischt und der Wind noch immer kühl. Für die kommende Woche sind steigende Temperaturen mit viel Sonne und wenig Wind versprochen. Wir werden sehen.

DSC_5286
Unser herrliches Leben

Die nächsten Abenteuer warten auf uns: Stockholm und danach der Göta-Kanal. Und wir bekommen Besuch. Unser Freunde Tom und Tinne aus Bochum werden uns ein Stück begleiten.

Start: Öregrund    1: Flaten   2: Norrtälje   3: Inra Hamnskär   4: Hemholmen/Ostholmen   5: Sandhamn/Lökholmen   Ende: Nämdö

wir grooven uns so ein

10 Wochen sind wir nun unterwegs. Es wird nicht langweilig. Und könnte irgendwie immer so weitergehen. Wir gewöhnen uns an die grenzenlose Freiheit, das selbstbestimmte Leben, die unbeschwerten Tage. Einer nach dem anderen. Es geht nur noch darum wohin wir als nächstes segeln, ob wir genug zu essen haben und woher der Wind wie stark weht. Alles andere ist zweitrangig.

Dabei treffen wir immer wieder und immer mehr nette Menschen und interessante Gesprächspartner. Die Häfen und Buchten werden deutlich voller, es ist Hochsaison in Schweden. Kein Vergleich allerdings mit der Hochsaison, die wir aus dänischen und deutschen Häfen kennen. Hier sind einfach viel weniger Boote unterwegs. Die Deutschen-Dichte bei den Seglern nimmt zu. Der eine oder andere gemeinsame Abend im Cockpit ergibt sich. Nationalität verbindet offenbar doch.

Vor zwei Tagen habe ich mich in einem fast vollen Hafen dabei erwischt, wie ich einem Boot aus der Schweiz einige Hilfestellungen bezüglich einer noch möglichen Lücke für sie zugerufen habe. Hätte ich das auch bei Schweden gemacht? Wo wir doch eine Stunde früher angelegt hatten und sehr reserviert – zumindest gefühlt – behandelt wurden.

Aber irgendwie schaffen wir es doch immer, das Eis zu brechen. Dann tauen sie auf, die Nordlichter und kommen ins Erzählen. Grad heute meinte ein Schwede am Steg, er habe schon mehrfach Swan-Yachten mit eingebauter Sauna gesehen. Unglaublich! Wir würden uns schon über eine Dieselheizung freuen.

Und so vergehen die Tage, wir sind fast in Stockholm nach einer Segelwoche ohne besondere Highlights, aber vielen wundervollen Plätzen auf kleinen zauberhaften Inseln und unter Begleitung der einen oder anderen Robbe. Der Wind war uns hold und hat uns gut nach vorne gebracht. Herrliche Segeltage bei viel Sonnenschein und ein Schiff, das einfach nur super läuft. Barbie – wir lieben dich!

von feurigen saunen und tiefgefrorenen bären

Nicht nur die Tage werden kürzer, auch die Segelstrecken. Aber erst mal war nix mit segeln, denn der Nebel hatte uns hartnäckig im Griff. So haben wir länger als geplant in Järnishamn am Steg gelegen.

Die Beschreibung des Zwischenstopps in Skagshamn sparen wir uns – der Hafen war nix. Da wir dringend Küche und Keller füllen mussten, war Örnskölsviken das nächste Ziel. Mit den Rädern zum Lidl. Der nächste Morgen – Nebel again, der sich aber dann im Laufe des Tages auflöste. Geschafft!

Wir entscheiden uns für einen dieser zahlreichen netten Tipps, die wir im Laufe der Hafentage von anderen Seglern bekommen und laufen die Westseite von Grislan an. Ein Steg, ein Boot, eine Sauna. Perfekt! Wir erlaufen uns das ehemalige Fischerdorf auf der Ostseite, werden im Blaubeerwald von mörderischen Moskitobanden fast bis auf das Skelett abgenagt, und genießen den Ausblick vom Hausberg. Kurt hat bereits die Sauna angefeuert, und wir verbringen den Rest des Tages und Abends gemeinsam zunächst dort, dann am Lagerfeuer. Kurt ist ehemaliger Marineoffizier und kennt nicht nur die Gewässer hier perfekt, sondern hat neben Tipps zum Batteriemanagement an Bord auch Geschichten zu erzählen. Er und seine Frau leben in Lappland, wo gern mal Bären zu Besuch kommen und die Menschen Tiefkühlräume haben. Sein Nachbar hat ein besonders lästiges Exemplar geschossen und es für die Behörden in einem solchen aufbewahrt – sitzend in einem Warentrolley.

Wir verlassen mit einem zufriedenen Gefühl Grislan und segeln nach Trysunda – ganze fünf Seemeilen weiter. Wir sind faul zur Zeit, und die Höger Kusten sind ein Traumrevier, in dem es so viele tolle unterschiedliche Orte in kürzester Entfernung gibt. Wir haben eh noch viel Zeit, bis wir in Stockholm erwartet werden. Also nur mal kurz um´s Eck. BÄMM – da ist der wieder, der Nebel! Aber per iPad und mit lautem Getute hämmern wir durch. Trysunda ist eine Bilderbuchinsel, ein Schwedenidyll, wie man es sich vorstellt. Kein Wunder, dass hier mehrere Fähren am Tag anlegen. Wir machen uns wieder zu Fuß auf und erwandern die verschiedenen Highlights, fühlen uns „steinreich“ am Kieselstrand und wie Entdecker auf den schmalen Pfaden zwischen Wald und Fels. Schweden macht glücklich.

Der Morgen beginnt verhangen und mit Niesel, und für den nächsten Tag ist Starkwind angesagt, also verkrümeln wir uns an den Hotelsteg von Ulvö. Ist ja eh nur um´s Eck..

Mjältön ist die höchste Insel Schwedens. Das wollen wir uns nicht entgehen lassen, zumal die kleine Bucht Baggviken einen perfekten Rundumschutz bietet. Die Finnen aus Trysunda sind bereits da und heizen die Sauna an, die Swan aus Ulvö liegt auch neben uns. Aber erstmal den Berg hoch! Nach „alter Tradition“ nimmt jeder, der aufsteigt, einen Stein von unten mit und legt ihn oben auf die höchste Stelle. So wächst die höchste Insel Schwedens immer höher. 😉 Wir entscheiden uns für Weg 1 und stellen nach zehn Kilometern fest, dass Weg 2 nur vier Kilometer bis zum Gipfel gewesen wären. Egal. Wir sind zwar erschöpft, aber rundum zufrieden. Ab in die Sauna, und hinterher den Grill angefeuert! Was für ein wundervoller Ort.

Es soll man wieder heftig wehen, und so verkrümeln wir uns in die tief eingeschnittene Bucht von Norfällviken. Wir hoffen hier auf W-LAN und die Möglichkeit, das EM-Spiel zu sehen. Der Weg dahin gab schon einen kleinen Vorgeschmack, was der Wind mit den Wellen anstellen kann…

FullSizeRender
Woche 9 im Überblick

the fog – der nebel des grauens

Er hat uns eiskalt erwischt, der undurchdringliche Seenebel zwischen Finnland und Schweden.

Am Mittsommertag, dem 24. Juni, starten wir früh morgens auf der finnischen Insel Faliskäret/Rönskären. Unser Plan: Einmal über den bottnischen Meerbusen nach Schweden segeln. Mit segeln war allerdings nix. Bei vier bis sechs Knoten Wind genau von hinten, da muss der Motor ran. Schon morgens liegt Nebel über dem Wasser. Wir fahren durch einige Nebelbänke, die sich jedoch immer wieder auflösen. Ziemlich spooky!

Nach etwa drei Stunden unter Motor kommt es plötzlich ganz dicke. Wir sehen kaum die Hand vor Augen. Und vor uns liegt eine viel befahrene Schifffahrtsroute. Da können wir unmöglich durch. Ohne Radar, ohne zu sehen, ob Schiffe kommen, ohne Garantie, dass die anderen Schiffe uns sehen halten wir es für lebensgefährlich, da durch zu motoren. Also machen wir den Motor aus und lauschen. Drei große Frachter rauschen in gutem Abstand an uns vorbei. Wir hören die Motoren, sehen die Schiffe aber nur schemenhaft bis gar nicht.

DSC_4627
Dieser Kollege taucht auf, als er vor uns durch ist
DSC_4637
Das Meer ist wie Öl

Dann hören wir lange nichts. Der Nebel bleibt. Wir bleiben. Und treiben schlussendlich ganze fünf Stunden, bis der Nebel sich verzieht. Wir hatten schon Pläne gemacht, wie wir die Nacht hier verbringen und uns abwechseln bei den Wachen. Aber plötzlich ist der Nebel vor uns weg. Es geht weiter.

Mittlerweile ist es 19.00 Uhr und wir brauchen noch fünf Stunden – weiterhin unter Motor, weil der Wind fehlt. Die Sonne kommt durch, es ist herrlich warm. Und dann erscheint die nächste Nebelwalze vor uns.

DSC_4645
Wie eine Wand aus Watte
DSC_4646
..und lang dazu – drumrumfahren geht nicht.

Wir fahren durch. Dahinter noch eine, dann eine dritte, vierte und wir stecken wieder komplett im Nebel. Da kein Schifffahrtweg in der Nähe ist und wir nur noch acht Meilen weiter müssen hämmern wir einfach durch die Nebelfront. Licht an, beide in den Ausguck, und der Audi ans das Trommelfell strapazierende Nebelhorn. Begleitet von der ein oder anderen neugierig guckenden Robbe erreichen wir die Küste und erleben einen herrlichen Sonnenuntergang  am längsten Tag des Jahres. Um 0.30 Uhr legen wir im kleinen Hafen in Järnis an. Puh! Das war nicht ohne! Und so nur deshalb möglich, weil es hier oben im Norden um diese Jahreszeit einfach nicht dunkel wird.

DSC_4663
Mittsommernachtssonne

Wir sind in Schweden und dem nördlichsten Punkt unserer Reise angekommen. Mittsommer und Halbzeit der Segelreise. Ab jetzt werden die Tage wieder kürzer.

unser kielwasser

Viele Blogleser möchten gern auf einer Karte sehen, woher wir genau segeln und welche Orte wir anlaufen. Wir haben dieses wochenweise erstellt. Eine Karte der Gesamtstrecke der ersten acht Wochen findet ihr ganz unten.

Leider können wir die benutzten Fahrwasser, die um die unzähligen Inseln herumführen, nicht darstellen. Ebenso führen die „direkten Wege“ in den Karten oftmals über Land. Unsere tatsächlich gesegelte Strecke ist GANZ anders…

Viel Vergnügen beim „Entlangfahren“!

Woche 1 – Kiel bis Ystadt – 196 Seemeilen

 

 FullSizeRender

Woche 2 – Ystadt bis Kalmar – 174 Seemeilen

 

FullSizeRender

Woche 3 – Kalmar bis Veere – 243 Seemeilen

 

FullSizeRender

Woche 4 – Veere bis Tallinn – 148 Seemeilen

FullSizeRender

Woche 5 – Tallinn bis Hanko- 136 Seemeilen

FullSizeRender9

Woche 6 – Hanko bis Mariehamn – 141 Seemeilen

 

FullSizeRender

Woche 7 – Mariehamn bis Uusikaupunki – 151 Seemeilen

 

FullSizeRender

Woche 8 – Uusikaupunki bis Järnishamn – 209 Seemeilen

 

FullSizeRender

Die bisherige Gesamtstrecke

FullSizeRender10

FIN-Land

Finnland, wir haben dich lieben gelernt. Das waren tolle fast vier Wochen mit dir. Du begeisterst uns mit deiner wunderbaren Natur, mit der greifbaren Liberalität deiner Gesellschaft und mit der Freundlichkeit und Offenheit deiner Einwohner.

Wir haben viele besondere Erlebnisse gehabt. Drei davon seien hier beispielhaft erwähnt.

1. am vorletzten Sonntag haben wir in Uusukaupunki festgemacht, einer Kleinstadt auf dem Weg in den Norden. Nach einer Stunde klopft es am Boot. Ein freier Journalist der örtlichen Presse möchte ein Interview mit uns machen. Klar, kein Problem. Wir waren ihm eine größere Geschichte wert, weil nicht viele Deutsche mit dem Boot hierher finden. Das Ergebnis ist hier zu sehen, allerdings nur auf finnisch:

Juttu
Wir auf der Titelseite! Kann das jemand übersetzen?

2. Auf der Insel Kylmäpihlaya legt direkt vor uns ein finnischer Einhandsegler mit einer schönen Koopman-Yacht aus Holland an. Er spricht sehr gut Deutsch, was uns in Finnland häufig  begegnet ist. Hat er in der Schule gelernt. Wir kommen ins Gespräch, natürlich über das Segeln, das Revier, unsere Pläne. Er gibt uns viele wertvolle Tipps. Im Zusammenhang mit dem Wetter kommen wir auf die Klimaveränderungen zu sprechen. Und wie sehr sich das Wetter in den letzten dreißig Jahren in Finnland verändert. hat. Er berichtet von Wintererlebnissen in den 80er Jahren. Die Wasserfläche zwischen Tallinn und Helsinki war zugefroren, ebenso die gesamte Fläche der Inselwelt zwischen Turku und Mariehamn. So ist er mit dem Auto von Turku nach Mariehamn gefahren, was heute nicht mehr möglich ist, weil sie nicht mehr zufrieren.

DSC_4468
Der Hafen von Kylmäpihlaya

3.  In Krookka liegen wir wieder mal ganz alleine im Hafen. Ein etwas trostloser Ort. Aber es gibt ein WLAN und wir können über einen free VPN-Player das dritte Gruppenspiel der Deutschen gegen Nordirland auf dem I-Pad gucken. Plötzlich steht ein junger Finne vor unserem Boot, der in Krookka lebt. Hat sich offenbar bereits rumgesprochen, dass Deutsche im Hafen liegen. Er fragt uns in ausgezeichnetem Deutsch, ob wir Fragen haben, ob er uns helfen kann. Im Sommer arbeitet er im örtlichen Touristenbüro und kennt sich gut aus, ansonsten studiert er Deutsch in Turku.

Diese drei neuen Begegnungen stehen stellvertretend dafür, warum uns Finnland und seine Menschen so ans Herz gewachsen sind. Wir kommen ganz sicher wieder!

heimweh

Heute hat es mich zum ersten Mal erwischt, seitdem wir unterwegs sind – Heimweh. Ein ganz klein wenig.

Meine sozialen Kanäle haben mich daran erinnert, dass mein lieber Ex-Kollege Rohan den Beginn seiner Rente mit einer großen Party in meiner geliebten „Kleinen Pause Bistro“ mitten auf dem Kiez feiert. Ich wäre sehr gerne dabei gewesen.

In solchen Momenten wird mir klar, wie wichtig ihr für mich seid, meine Freunde. Ich liebe es genauso zu reisen, wir wir es im Moment tun. Täglich neue Abenteuer, neue Begegnungen, neue Eindrücke. Das ist so herrlich abwechslungsreich, entspannt und selbstbestimmt. Manchmal habe ich das Gefühl, es könnte immer so weiter gehen und mir würde nichts fehlen. Fast nichts.

Denn was mir hin und wieder fehlt seid ihr. Ein netter Fußballnachmittag mit Anja und Rohan in der „Kleinen Pause“ zum Beispiel. Der Montagmorgen-Talk mit meinen Kolleginnen im Büro über die so unterschiedlichen Wochenend-erlebnisse. Der gemeinsame EM-Abend mit Caren und Regina oder das BVB-Punktspiel im Dreißig mit Justus und Jonas. Ein Segelwochenende in die Dyvik mit Mattn, Birgit und Jule und dort treffen wir Nelli, Bernd und Paula. Oder eine Hamburgtour mit Gabi und Thomas, die zu Besuch sind. Mit meinen Neffen Dennis und Rick auf dem Partyschiff Hedi abrocken oder mit Axel und Stephi die Hamburger Bars durchtrinken. Und einer dieser herrlichen Frauenabende mit Martina, Inken, Kerstin oder Karin. Oder ein Yogawochenende mit Andrea. Diese Liste läßt sich endlos fortsetzen. Und ich freue mich schon jetzt darauf, sie ab Mai 2017 „abzuarbeiten“. Aber bis dahin genieße ich nach Strich und Faden das freie Leben und das Reisen. Mit hin und wieder mal einem ganz kleinen Moment Heimweh.