1 jahr. 365 tage. unendliche erinnerungen.

Wir haben in Vollmondnächten gesegelt und an einsamen Felsen festgemacht. Sind dem Wind gefolgt und wurden von den Sternen zugedeckt. Haben mit neuen Freunden gelacht und beim Abschied geweint.

Waren auf den Gipfeln hoher Vulkane, in tiefen Schluchten und in warmen, bunten Ozeanen. In salzigen und staubigen Wüsten und im tropischem Regenwald. In unendlicher einsamer Weite und pulsierenden Metropolen.

Sind gesegelt, getaucht, gefahren, geklettert, gedümpelt, gesprungen, geschwommen, gewandert, getrieben, geflogen und von all den wunderbaren Menschen unterwegs und zuhause getragen worden.

Wir waren in Deutschland, Schweden, Estland, Finnland, Dänemark, Uruguay, Argentinien, Bolivien, Chile, Australien, Malaysia und Indonesien und haben uns immer und überall willkommen gefühlt.

Wir haben diskutiert und zugehört, geschlemmt und alles probiert, geplant und uns treiben lassen. Haben geschwitzt und gefroren. Und geholfen, aussterbende Tiere zu retten. Haben immer gut geschlafen und uns fast nie geärgert. Haben Augen, Geist und Herzen geöffnet und fahren so viel reicher nach Hause.

Wir haben einen Traum – unseren Traum – gelebt. Und er hat etwas mit uns gemacht.

Dankeschön, tack så mycket, aitäh, kiitos paljon, mange tack, muchas gracias, thank you so much, terima kashi an euch alle, die ihr uns begleitet, unterstützt, geholfen, ermuntert, beneidet habt. Es war für uns immer ein wundervolles Gefühl zu wissen, dass ihr dabei seid und vieles mit uns teilt.

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365 Tage Freiheit. Das Jahr unseres Lebens. Und irgendwo dahinten warten noch viele weitere Abenteuer auf uns…

Teil eins – unser fazit

  • Ein Segelsommer ist Freiheit pur.

  • Die Finnen sind sehr nette Menschen.

  • Die Schweden aber auch!

  • Wir wollen noch viele weitere Sommer in Finnland und Schweden segeln.

  • Mit Tallin, Helsinki und Stockholm haben wir wunderschöne Städte gesehen. Aber es ist die Natur, die uns am meisten fasziniert.

  • Irgendwann wollen wir am Meer leben.

  • Das Leben kann so unbeschwert und frei sein. Im Alltag vergessen wir das oft.

  • Die Ostsee ist ein fantastisches Segelrevier.

  • Wir lieben es, auf einem Segelboot zu leben.

  • Dauerhaftes Offline-Leben macht den Andi nervös.

  • Vieles, was uns zuhause wichtig erscheint, verschwindet an Bord aus unserem Fokus.

  • Wir haben unsere Freunde und Familie ein wenig vermisst.

  • Jede Begegnung mit anderen Menschen bereichert uns.

adventure one – completed

Das war’s. Der erste Teil unserer Auszeit ist beendet. Viereinhalb wunderbare, besondere, erlebnisreiche, meist sonnige, entspannte, zufriedene, glückliche, aufregende Monate liegen hinter uns. Wir haben viele tolle Menschen kennen gelernt, neue Länder und Städte entdeckt, uns auf einsamen Inseln versteckt. Wir sind Fahrrad gefahren, gewandert, haben in den Tag gelebt, gechillt. Und wir haben uns gut verstanden.

Die Barbie steht im Winterlager. Uns standen ein paar Abschiedstränen in den Augen. Sie ist so gut gesegelt wie nie zuvor. Und hat nicht eine einzige Pocke angesetzt. Viel hilft viel.

Wir haben auf unserer Reise einige Infos gesammelt und zusammen gestellt. Hier das Ergebnis:

zurückgelegte Meilen: 2785

Die ersten 1.000 Meilen haben wir bereits nach vier Wochen voll gehabt. Dann wurden wir immer langsamer, haben uns mehr Zeit genommen, sind da geblieben, wo wir länger bleiben wollten. Mal sind wir nur fünf Meilen in die nächste Bucht gesegelt, mal waren es 60.

Dauer der Segelreise: 135 Tage

Viele haben uns gefragt, ob uns nicht langweilig wird. Ganz ehrlich? Keine Sekunde!  Und wir hätten einfach immer weiter fahren können.

Dieselverbrauch: 155 Liter

Wir hatten das große Glück, die meiste Zeit segeln zu können. Und die Zeit auch für langsames Reisen zu haben. Der Götakanal den meisten Diesel gekostet.

Sturmtage: keinen, Starkwindtage: 12

Wir hatten im Vorfeld mit mehr gerechnet. Und mal ein paar Tage im Hafen abwettern spielt bei mehr als vier Monaten keine große Rolle.

Sonnentage: gefühlte 200, Regentage: 6

Für uns war dieser Sommer wettermäßig super. Die ersten zwei Monate hatten wir unglaublich viel Sonne, auch wenn die Luft noch kalt war. Der Wind hat ebenfalls perfekt mitgespielt, meistens zumindest. Die letzten zwei Wochen im September waren hochsommerlich. 2016 haben wir gut ausgewählt für die Reise!

Grenzüberschreitungen

Ländergrenzen: 12 (besuchte Länder: Dänemark, Schweden, Estland, Finnland, Ålands). Persönliche Grenzen: die ein oder andere:-)

Bierdosen: 135

Hinzu kommen diverse Liter Rot- und Weißwein, Rum, Aperol, Sekt, Whisky, Gin, Ouzo, …

Nutella: 4,2 Kilogramm

Das letzte Glas haben wir in Dänemark für 4,50 Euro gekauft. Ein kleines. Und dann gab es noch ein allerletztes Glas, als Willkommensgeschenk. Danke, Nelli, Bernd und Paula.

Tüten Chips: ca. 20

Hinzu kommen noch Flips, Nüsse etc. Und natürlich Mengen an Schokolade und Keksen. Ihr kennt uns.

Tage am Strand verbummelt: 2

Aber nicht, weil wir blödes Wetter hatten. Wir sind einfach nicht so die am-Strand-liege-Typen.

Kosten: ca. 5.000 Euro

Das meiste Geld haben wir für Essen und Trinken ausgegeben – gut gelebt! Der zweitgrößte Posten sind die Hafengebühren. Im Vorfeld schlugen Einkäufe mit 500 Euro zu Buche. Das Leben zuhause wäre teuer gewesen.

Verlorene Dinge: 1 Fender, 1 Sonnenbrille

Keine wirklichen Verluste also. Dass Moni´s RayBan aber auch ausgerechnet im tiefsten Hafen der gesamten Reise versinken musste (Mariehamn, 11,5 Meter tief)…!

Schäden am Schiff: keine ernsthaften.

Unser Spinnaker hat einen langen Riss, den wir flicken konnten. Ein Windanzeigeinstrument ist dem engagierten Einsatz des Skippers in einer Wende zum Opfer gefallen. Ein Druckknopf in der Baumpersenning hat 30 Knoten Seitenwind nicht überlebt. Die Einhebelschaltung des Motors hat Andi ebenso direkt repariert wie einen gebrochenen Rutscher am neuen Großsegel, eine gerissene Reffleine, den platten Hinterreifen eines Bordfahrrads etc.

Begegnungen: unzählige

Und das macht diese Art des Reisens so besonders und bereichernd.

Fotos: knapp 5.000.

Jemand Interesse an einem „Diaabend“..?

grande finale!

Dank Johannes, Karl, Nelli, Bernd, Paula, Birgit und Mattn ist unser nach Hause kommen richtig schön und tut entgegen kurzzeitiger Befürchtungen auch gar nicht weh. Wir haben die ganze Woche in bekannten Häfen und Buchten gelegen und eine herrliche Zeit verbracht.

Johannes und Karl sind die Namen der derzeitigen Hochdruckgebiete. Wir können uns an keinen derart schönen Spätsommer hier im Norden erinnern. Die Tage sind sonnendurchflutet und warm, teils heiß, der Wind ist mäßig und reicht aus für ruhige und gemütliche Segeltage. Die Stimmung in den Häfen ist fröhlich, die Landschaft strahlt Besinnlichkeit und Gelassenheit aus, und die Nächte sind ein Quell der Stille.

Wir haben drei Tage in Flensburg verbracht und mit Bernds Hilfe einige kleinere Reparaturarbeiten an der Barbie erledigt. Und der Segelmacher hat unser neues Großsegel nachgearbeitet. Freitag Mittag geht es dann zusammen mit Nelli, Bernd und Paula los unter Segeln. Ein Ankerplatz bei Holnis war perfekt für einen gemeinsamen Grillend, eine wunderbar ruhige Nacht und den darauf folgenden herrlichen Sommertag. Schön wars!

Während die drei Dreiers weitersegeln, sind wir am Samstag zurück in die Förde und feiern in Glücksburg die Hochzeitsparty von Mattn und Birgit. Dieser Termin war einer der ganz wenigen Fixpunkte während unserer Segelreise. Ein lustiges Fest mit guter Stimmung, leckerem Grillgut, viel Musik und Tanz!

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Mit Birgit und Mattn auf der Hochzeitsparty 

Nun sind wir auf dem Weg nach Fehmarn. Dort kommt die Barbie am Mittwoch ins Winterlager. Noch drei mal an Bord schlafen, dann ist unser erstes Abenteuer vorbei. Wehmut macht sich breit, aber auch die Vorfreude auf Südamerika und unseren Bus.

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Bagenkop – Netter Zwischenstop auf dem Weg nach Fehmarn

Die kommende Woche wird ein wenig hektischer. Bis zu unserem Abflug am 20. haben wir noch eine Menge zu regeln. Umso schöner war es, die letzte Woche mit viel Zeit, Muße und guten Freunden einfach so zu verdrömmeln! Ein Grande Finale!

bekannte wasser

Wir haben Anholt verlassen und über Greena wieder uns bekanntes Revier erreicht. Es war allerdings nicht ganz einfach wieder Richtung Heimat zu kommen. Seit Tagen, wenn nicht Wochen, kommt der Wind von vorn. Und das meist nicht zu knapp. Dummerweise ist das Gesetz so, dass sich auch die Welle danach richtet und uns das Leben zusätzlich etwas schwerer macht. Aber wir versuchen´s mit Gelassenheit und Humor!

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Wir erreichen Tunø und trauen unseren Augen nicht. Nachsaison? Die Boote liegen in Dreier-Päckchen, doch wir haben Glück und schieben uns in eine schmale Lücke. Und kaum sind wir wieder im „Heimatrevier“, werden wir auch sogleich begrüßt: Annette und Sven winken uns bereits vorm Anlegen zu, und wir verquatschen den Abend.

Wir haben Zeit, also bleiben wir zwei Tage auf Tunø. Die fünf Meilen nach Mårup auf Samsø erscheinen uns zu weit, und auch der Wind bläst schon wieder kräftig. So beradeln wir die Insel, faulenzen am Strand, grillen, Moni joggt,…

Der Wind kommt noch immer aus Südwest, also von vorne, ebenso wie diese kleine gemeine Hackbremswelle. Das Kattegat taufen wir um in Kackegatt. Weiterhin kreuzen wir und erreichen über diverse Stationen die Dänische Südsee. Hier kennen wir uns aus, auch wenn wir noch lange nicht jeden Hafen besucht haben. Diese Lücken wollen wir auffüllen und suchen uns Dyreborg aus. Nur circa 10 Boote passen in den kleinen Fischerhafen. Die Stimmung ist besonders, ruhig, besonnen.

Neben uns liegt Dick, ein Holländer, der seit Mitte April unterwegs ist und sich aus dem Limfjord Missa, eine kleine wilde Katze, mit an Bord genommen hat. Jetzt ist er nicht mehr so alleine. Nächste Woche hilft er auf der Insel Lyø bei Holzarbeiten an den Stegen und verdient sie so was dazu. Er liebt Dänemark und verbringt viele Sommer hier auf seinem Boot.

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Dick, Missa, Moni

Beim Spaziergang durch die Umgebung stellen wir erneut fest, wie gut es uns hier gefällt. Es ist Erntezeit, die Felder werden abgeerntet. Brombeeren, Pflaumen, Mirabellen, Birnen, Äpfel stehen in voller Pracht, und wir stopfen uns die Bäuche voll. Es riecht nach Spätsommer. Dazu herrlicher Sonnenschein mit Temperaturen über 20 Grad. Allerdings wird es früher dunkel, die Tage werden kürzer.

Wir tingeln einige Tage durch die Dänische Südsee, mal ankern wir, mal besuchen wir einen weiteren kleinen Inselhafen, den wir noch nicht kennen. Hjortø zum Beispiel. Dort bekommt man im Sommer und an den langen Wochenenden nie einen Liegeplatz. Jetzt geht das ohne Probleme.

Die Stimmung hier in der dänischen Südsee passt gut zum nahenden Ende unserer Segelreise. Die Häfen sind leer, nur noch wenige Segler auf dem Wasser unterwegs. Das Wetter wird langsam unbeständiger. Zeit für was Neues?

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Unsere Route seit Anholt

luxus pur

Unser Jahr ist für uns purer Luxus. Aber damit meinen wir nicht glamouröse Hotels, teures Essen, Business-Class-Flüge oder Shopping bis zum Abwinken. Unser Luxus sind die kleinen Dinge…

  1. Morgens nicht vom Wecker geweckt werden.DSC_3139

     

  2. Den ganzen Tag aufs Meer schauen – und wenn wir wollen auch nachts.IMG_3863

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  3. Sonntags nicht daran denken, was Montag ansteht.

  4. Welchen Wochentag haben wir überhaupt?

  5. Joggen mit Blick auf´s Meer.

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  6. Der erste stille Kaffee am Morgen im Cockpit, wenn Moni joggen ist.DSC_6826

  7. Vögel zwitschern und den Wind in den Bäumen rauschen hören. Sonst nichts.DSC_3110

  8. Vier Tage dieselben Klamotten tragen.

  9. Getroffene Entscheidungen umwerfen. Einfach so.

  10. Jeden Tag woanders sein. Und trotzdem zuhause.

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danish delight

Der Abschied von Schweden ist uns schwer gefallen. Aber Dänemark empfängt uns mit offenen Armen. Und wir entdecken drei neue Orte in diesem Land.

Zuerst Skagen, der nördlichste Punkt Dänemarks und die Stelle, wo Nordsee und Ostsee sich begegnen. Skagen ist trubelig, voller Touristen – der Hafen voll mit Segel- und Motorbooten und mitten in der Touristenmeile gelegen zwischen zahlreichen Fischrestaurants.

Wir bleiben zwei Nächste und schauen uns das Treiben an, sehen einen wunderbaren Sonnenuntergang und einen herrlichen Vollmond, stehen mit einem Bein in der Ostsee, mit dem anderen in der Nordsee und merken, dass wir solche Menschenmengen wie hier einfach nicht mehr gewohnt sind. Und auch solche Preise nicht. Hatten wir vor Beginn der Reise mit den höchsten Preisen in Finnland und Schweden gerechnet, stellt sich nun raus, dass Dänemark den beiden in diesem Punkt den Rang abläuft. Das letzte kleine Nutella-Glas hat über fünf € gekostet!

Bei viel Wind überqueren wir das Kattegat in Richtung Laesö, die nördlichste dänische Insel. Die Wellen sind hoch, der Wind hat sieben Windstärken und erreicht in Böen sogar acht. Anstrengendes segeln, aber wir sind schnell. Der Hafen von Laesö ist rappelvoll und wir ergattern nur einen Platz im Päckchen. Zum Glück! Denn neben uns liegen Schweden, die uns mit „Jomfruhummeren“ – Babyhummer fangfrisch vom Fischer – versorgen und dazu auch noch eine genaue Zubereitungsanweisung mitliefern. Wir kochen also wie verrückt drei Pfund lebendige Babyhummer. Das heisst man schmeisst die armen Gesellen lebendig in kochendes Wasser. Nicht schön. Aber unglaublich lecker. Ein wahres Festessen! Und auf der Barbie riecht es wie im Feinschmeckerrestaurant.

Mit den Rädern strampeln wir über die Insel, entdecken eine traditionelle Salzherstellung und sammeln Äpfel und Brombeeren.

Und weil unsere neuen Motorbootfreunde Annsofie und Pär aus Göteborg es nicht weit haben auf die Insel, kommen sie fürs Wochenende dazu. Wir grillen und chillen gemeinsam.

Von Laesö geht es weiter auf die dänische Insel Anholt, eines der Traumziele aller deutschen Ostseesegler. Anholt ist eine kleine Insel, die mitten im Kattegat liegt. Von dort sieht man kein Land. Zum einen ist also die Lage besonders, zum anderen ist die Insel mit langen Sandstränden wunderschön. Der Hafen von Anholt ist in jedem Jahr während der Hochsaison hoffnungslos überlaufen. Wir sind zum ersten Mal hier, haben gutes Wetter und die Chance, dank unserer Räder, einen guten Überblick zu gewinnen. Und im Hafen können wir uns zahlreiche Liegeplätze aussuchen. Nachsaison! Auch hier gibt es diesen köstlichen Babyhummer direkt vom Fischer. Auf zum zweiten Streich! Zudem sind die Brombeeren reif und wir schlagen uns auch damit den Bauch voll.

Es ist nicht mehr weit. Wenn wir Anholt verlassen, erreichen wir bald wieder bekanntes Terrain. Die Zeit der neuen Abenteuer auf unserer Segeltour geht langsam zu Ende.

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macht´s gut, und danke für den fisch.

Insgesamt gut zwei Monate. Mehr als acht Wochen. Die Hälfte unseres ersten Abenteuers. Und nun: tschüss, du wundervolles Schweden. Du hast uns verzaubert, begeistert, manchmal auch geärgert (aber wirklich nur sehr selten) und dich vor allem unvergesslich gemacht. Danke für eine ganz wunderbare Zeit. Wir kommen wieder. Ganz bestimmt.

 

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In der letzten Woche haben wir uns in den schwedischen Westschären rumgetrieben. Sie sind ganz anders als die Ostschären. Göteborg ist ganz anders als Stockholm. Ob das in Zusammenhang steht?

Während die Ostschären um Stockholm sehr grün und lieblich und dazu wenig besiedelt sind, spiegeln die Westschären nördlich von Göteborg eher den Pragmatismus ihrer Anwohner und die Anbindung zum rauhen Skagerak wieder. Sie sind schroff und karg. Kaum Bäume wachsen auf ihnen. Ihre Höhe überrascht. Und die Fahrwasser zwischen Ihnen sind oftmals beängstigend eng. Etwas majestätisches haben sie. Bei Sonne auch durchaus lieblich, präsentieren sie sich bei wolkenverhangenem Himmel eher Angst einflößend. Viele von ihnen sind komplett unbewohnt. Andere nahezu übervölkert. Zahlreiche, im Vergleich zu den Stockholmschären große Holzhäuser schmiegen sich an die steil abfallenden Steine, eng zusammengerückt und manchmal durchaus an deutschen Reihenhausbau erinnernd. Natürlich gibt es auch ganz bezaubernde Exemplare.

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Erinnert schon mal an eine Reihenhaussiedlung
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Mancher mag´s halt gern kuschelig und konform…
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…ein Anderer dann doch lieber einsam.

Auf den zweiten Blick erkennen wir ihre Einzigartigkeit, das Besondere an diesen Westschären. Stundenlang wandern wir über uralte riesengroße Steine, die sich aufgeschichtet haben und denen man ihr Alter und ihre Geschichte ansieht. Immer wieder ergeben sich einzigartige Blicke auf die Schärenlandschaften sowie das Meer. Eine ruhige Schönheit, nichts was das Auge ablenkt. Die Steine speichern die Wärme der Sonne, wir wärmen uns daran auf und fliehen so vor dem kühlen Wind.

In den letzten Tagen erleben wir viele Facetten der Westschären: Sonnenschein, Dauerregen, viel Wind, sehr viel Wind und kaum Wind. Mal aus Westen, mal aus Süden und dann auch aus Nord. Mit sieben Knoten jagen wir durch sehr enge Stellen, matchen mit anderen Booten. An verschiedenen Schären verbringen wir herrlich ruhige Nächte in Einsamkeit, in den Häfen machen wir die eine oder andere nette Begegnung.

Auf der wunderbaren Insel Käringön lernen wir Peter und seine Frau aus Stockholm bei einem der zahlreichen Felsspaziergänge kennen. Sie nehmen ein kurzes Bad im 17 Grad kalten Wasser. Jeder erzählt ein wenig von sich, seinem Leben, dem Urlaub, und sie bewerten diesen Teil Schwedens als den schönsten. Dabei hat Peter noch eine ganz besondere Geschichte auf Lager. Er hat nämlich 1962 in Hamburg die Beatles life gesehen. Auf die Frage, wie er sie denn fand, kommt ein leidenschaftsloses „die waren ja noch total unbekannt“.

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Peter und seine Frau

Mit kurzen Schritten vertreiben wir uns die Zeit nördlich von Göteborg, wechseln zwischen einsamen Schären und pittoresken Häfen, genießen dabei das Leben – und den  Fisch.

Es wird herbstlich hier im Norden. Plötzlich ist es schon um 21.00 Uhr dunkel. Die Häfen und Fahrwasser sind nicht mehr rappelvoll, Nachsaisonpreise werden aufgerufen.

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Wir merken, wie diese Stimmung auch bei uns Gedanken an das Ende unserer Segelreise hervorruft. Wir planen unsere Woche in Hamburg, bevor wir am 20. September nach Buenos Aires fliegen. Überlegen, was wir da noch alles regeln müssen. Schreiben Mails, buchen Flüge für den dritten Teil des Jahres. Und freuen uns sehr darauf, weiter in den Sommer nach Südamerika zu fliegen und nicht dem Winter in Deutschland begegnen zu müssen. Unser Bulli ist bereits auf dem Weg dahin. Danke, Helmut, für´s Abliefern im Hamburger Hafen!

Aber erstmal freuen wir uns auf weitere vier Wochen an Bord, mit so tollen Zielen wie Skagen, Laesö und Anholt!

 

review – ein gastbeitrag

Liebe Moni, lieber Andi,

thank you for the music…and the time spending with you….
Es war alles dabei:
– Ankunft in Stockholm, das Wiedersehen, Frühstück an Bord ‚bei Sonne und frischem Wind‘, so hattet Ihr es in der SMS vorher versprochen
– Sightseeing in Stockholm – musste leider ausfallen, wir wollten lieber losfahren
– Sonne pur, jeden Morgen den Blick durchs Oberlicht in der Bugkabine: blauer Himmel, weiße Fock
– 2x ankern an den Schären
– 2x Hafen in der Ostsee, einmal mit warmer Außendusche
– eiskaltes Baden, das einem wortwörtlich den Atem raubte
– endlich mal ’ne Pizza für den Andi
– abenteuerliche Kurse durch die Schärengewässer, weil immer irgendwelche Steine im Wasser lagen (= Therapie für Deine Untiefenphobie, Moni)
– Abba gehört + gesungen auf der Ostsee
– sonniges Spinnaker- Segeln, perfekte Kursansagen von Andi
– Köstliche Grillspektakel
– Mittagsschläfchen am Bug
Das war der erste Teil auf der Ostsee.
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Dann ging’s in den Götakanal:
– die erste Schleuse war aufregend, bei der 2. fühlte man sich schon ‚total routiniert‘
– nette schwedische jungen Menschen, die die Schleuse betreuen: Moni, unser ‚Liebling‘ war Gustaf
– die beschriebene Aufgabenteilung bestand darin, dass wir Frauen ‚Freunde gemacht‘ haben und die Männer an Bord blieben – ok, wir haben auch das Boot festgemacht und in die nächste Schleuse gezogen
– leckeres Eis, Sorte Salzlakritz
– der Lidl ist abgebrannt (der Großeinkauf fiel aus)
– überall Pokemon-Jäger
– so herrlich weiches Wasser, meinte die ‚Mazedonierin‘
– Tobi fand eher den Rum herrlich weich, Euer Boot hat einen gut bestückten Keller
– manchmal fühlten wir uns wie im Zoo – die Touristen schauten hinter Zäunen beim Schleusen zu
– schwedische Insiderinfos: Lehrer in Schweden müssen 45h / Woche arbeiten, weil sie so viele Ferien haben und Silvia, unsere Silvia Sommerlath, spricht ein grottiges Schwedisch, was den Akzent angeht
– und ständig ruft der Abwasch….
Der Schluss hat sich irgendwie von selbst ergeben, der Wind war so stark, dass wir nicht weiter kamen.
Da sind wir einfach abgereist.
..und tschüss…
Habt noch eine tolle Zeit – es sind ja noch immer unglaubliche 5 lange Wochen an Bord.
Euer Tobi, Eure Tinne
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großer see und kleine brötchen

Unsere Woche 14 ist für uns ganz ungewohnt: Viel Wind nur von vorne, wenig Sonne, immer mal wieder Regen und mühsames Motoren durch den Kanal. Die so schöne erste Woche durch den Göta-Kanal wird abgelöst durch anstrengende, ermüdende und so ganz ungewohnte Tage. Von Sjötorp kämpfen wir uns buchstäblich über den Vänernsee, dessen Welle wirklich fies ist. Der See ist Schwedens größter und insgesamt 11 mal so groß wie der Bodensee. Wir schaffen es, 39 Meilen bis Spiken zu kreuzen, und das bei bis zu 23 Knoten Wind. Zum ersten Mal seit langer Zeit ist mir die Barbie zweimal aus dem Ruder gelaufen. Das kennen wir nicht von ihr. Einfach zu viel Wind und Welle. Wir backen kleine Brötchen. Spiken versöhnt uns. Ein Fischerdorf mit vielen Touristen, Buden, die köstlichen geräucherten Fisch verkaufen und einem beschaulichen kleinen Hafen. Wir bleiben gleich zwei Nächte, weil wieder einmal verdammt viel Wind von vorne steht.

Von Spiken haben wir eine Fahrradtour zum Schloss Läckö gemacht. Und läckö miö, das hat sich gelohnt.

Und dann wieder dieser Vänernsee mit seiner unglaublich ätzenden Welle genau von vorne. Statt viel Wind hatten wir tags drauf wenig. Also wieder mal motoren, die Welle der Vortage war aber noch da. Kein Spaß. Statt über den See kommen wir nur bis Dalberga, weil wir nicht noch weitere drei Stunden das Nageln unseres treuen zuverlässigen Volvo Penta ertragen wollen. Für morgen ist wieder viel mehr Wind angesagt. Da sollte es klappen mit dem segeln.

Dalberga ist eine gute Alternative zum ursprünglich geplanten Vänersborg. Endlich haben wir an diesem beschaulichen Ort Blaubeeren gefunden. Und zum Frühstück gab es Blaubeerpfannkuchen. Was anderes gibt die Küche auch derzeit nicht mehr her. Wir sind leergefressen und brauchen dringend einen Supermarkt. Zum Glück hat der kleine Laden am Ort noch ein Ei für den Pfannkuchen.

Am nächsten Tag gelingt uns dann der Coup. Wir schaffen es über den See. Der Wind kommt wieder mal genau von vorne und wir kreuzen die letzten 15 Meilen auf. Kurz vor Vänersborg erwischen uns fette Böen unter Vollzeug. Kein Spaß zwischen einigen Untiefen. Wir kommen ein wenig in Stress und pampen uns an.

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Drisswetter!

Aber endlich durch die Brücke ist alles wieder gut und wir motoren gemütlich zum Tagesziel nach Trollhättan. In dieser Gegend Schwedens leben übrigens die meisten Elche. Wir sehen leider keinen einzigen. Dafür bekommen wir wieder Besuch. Freund Rudi reist mit seiner Tochter Joana eine Woche durch Schweden, und die beiden verbringen eine Nacht bei uns an Bord. Wir nutzen die Gelegenheit und fahren alle zusammen mit Rudis Auto in den nächsten Supermarkt. Endlich wieder Wurst, Käse, Obst, Gemüse, Fleisch, Brot, Kekse und was der Mensch noch so braucht! Herrlich! Und dazu noch zwei Kanister Diesel. Denn der geht in diesen Tag weg wie warme Semmeln.

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Besuch an Bord: Joana, Moni und Rudi

Die beiden letzten Tage vom Kanal sind in Bezug auf die Landschaft eher unspektakulär. Der frische Wind kommt weiterhin von vorne, immer mal durchsetzt mit einem Regenschauer. Spektakulär sind die hohen Schleusen, in denen wir nun auf Meereshöhe runter schleusen. Das klappt bei uns ganz wunderbar, anders als bei einem deutschen Schiff hinter uns, das plötzlich quer in der Schleuse steht.

Wir passieren noch einige Brücken und dann sind wir in Göteborg. Mitten in der Stadt machen wir im Hafen Lilla Bommen fest. Hier wimmelt es vor Booten aus Deutschland, den Niederlanden, Norwegen und Dänemark.

Nach Tallinn, Helsinki und Stockholm ist Göteborg unsere vierte Großstadt auf unserem Törn. Mit den Rädern gelingt es uns, einen guten Überblick zu bekommen. Und wir treffen unsere Motorbootfreunde Annsofie und Pär wieder. Sie leben in Göteborg und zeigen uns auf einer kleinen Sightseeingtour weitere besondere und historische Orte der Stadt. Abends laden sie uns bei sich zuhause zum Essen ein. Super nett!!!

 

Die kommenden Tage werden wir wohl im Göteborger Hafen Langedrag verbringen. Es ist sehr viel Wind angesagt. Unser Windmesser zeigt heute morgen stolze acht Beaufort an. Dazu Regen und Kälte. Nicht schön…

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So richtig eingeweht bei Göteborg

In den letzten beiden Wochen sind wir einmal quer durch Schweden gefahren. Dem Andi ist das ganze etwas zu viel fahren statt segeln. Ich habe den Göta-Kanal sehr genossen, auch weil das Wetter so toll war, wir nette Freunde an Bord hatten und die Stimmung dort einfach besonders ist. Noch einmal würden wir diese Passage nicht machen. Aber wir haben es ja jetzt auch erlebt. Und dadurch viele Meilen auf unserem Rückweg gespart.

Wir hoffen, dass die momentane Schlechtwetterphase nur eine kurze Kapriole der Natur ist. Unser nächstes Ziel sind die Westschären nördlich von Göteborg. Und dafür brauchen wir Sonne und weniger Wind.