nix als schärereien

Endlich sind wir da. Im Stockholmer Schärengarten. Traumziel eines jeden Ostseeseglers. Hunderte, gar tausende kleiner Inseln und Inselgruppen. Glatt gewaschene Felsen mit Kiefernwäldern. Wunderschöne Anlegestellen direkt am Stein. Glattes Wasser, auch bei viel Wind. Blauer Himmel mit Schäfchenwolken. Verträumte, versteckte und sichere Ankerbuchten. Ein Spiel der Farben, wie es schöner nicht sein kann. Und ganz viel Natur. Es ist so schön hier!

Unsere erste Schäre liegt im äußeren nördlichen Schärengürtel, heisst Inra Hamnskär und erfüllt alle Träume. Den Tipp haben wir von einem schwedischen Liegeplatznachbarn in Fladen. Wir liegen zuerst ganz allein, später kommen noch vier weitere Boote hinzu. Es bleibt viel Platz, man stört sich nicht. Wir grillen auf den warmen Steinen und fühlen uns wie im Paradies.

Das könnte so weitergehen, wenn da nicht die vielen anderen Segler und diese Unmengen an Motorbootfahrern wären. Grade die letzteren schaffen es spielend, das eigentlich glatte Wasser ordentlich aufzuwühlen und uns so das schöne Leben ein klein wenig unschöner zu machen.

Es ist rappelvoll in Stockholms Schären – High Season. Das ist vergleichbar mit dem Juli in der dänischen Südsee. Spätestens um 12.00 Uhr sind alle Plätze belegt. Es heißt also: früh aufstehen und nicht so große Stecken planen. Wir fügen uns diesem Gesetz und starten drei Tage hintereinander schon um 8.00 Uhr. Das klappt zweimal wunderbar. Am bis dahin einzigen Regentag in den Schären wollen dann jedoch alle in die Häfen und wir haben keine Chance auf einen Hafenplatz. Und das, wo wir eine Dusche und Strom zum Aufladen der komplett entleerten Batterien dringend brauchen. Also wieder an die Schäre in eine hübsche kleine Bucht, allerdings mit 35 weiteren Booten.

Am nächsten Tag landen wir im Segelmekka der schwedischen Ostküste, Sandhamn. Das Saint Tropez Schwedens: fette Motorboote, Party auf allen Stegen, Jetset pur. Es ist Ferienzeit, und es ist Samstag. Vorm Hafen dreht ein gutes Dutzend Boote Kreise und lauert hektisch auf einen frei werdenden Liegeplatz. Zum Glück können wir in die benachbarte Bucht Lökholmen flüchten, uns die Sache mit Hilfe einer kurzen Fährfahrt anschauen und dann nach zwei Stunden und einem großen Softeis wieder in die Ruhe abtauchen.

Kurz vor Stockholm werden wir durch zwei weitere herrliche Plätze belohnt: an der Schäre in der Bucht Langvig auf Nämdö und in der Ankerbucht Napoleonsviken, in der bereits Napoleon (daher der Name) ein Bad nahm. Nun ist es hier 19.00 Uhr, und es sind inzwischen über 50 Boote an Felsen und vor Anker. Eigentlich wie Hafenliegen, nur ohne Strom und umsonst. Der am Nachmittag aufkommende Regen ist uns herzlich egal. Hätten wir nur zwei Wochen Urlaub, wäre das anders.

Wir könnten Wochen hier verbringen. Jeden Tag in eine neue Bucht segeln, immer gespannt darauf, wie es dort aussieht, welche Besonderheiten uns erwarten. Und dann beobachten wer sonst noch so kommt, wie angelegt wird, dabei helfen und Leinen halten. An der Schäre gilt Solidarität, sobald man seinen Platz gefunden hat. Jeder hilft jedem.

Apropos jeder hilft jedem. Es geht weiter mit unvergesslichen Bekanntschaften. Die guten Tipps für Stockholms Schären bekommen wir im Vereinshafen auf der kleinen Insel Fladen vom Eigner des Nachbarbootes (s.oben). Und in Norrtälje treffen wir ein ganz besonderes deutsches Pärchen aus Kiel Mönkeberg, Alo und Peter. Die zwei verbringen seit 15 Jahren jeden Sommer mit ihrem Boot in Schweden. Davor haben sie acht Jahre das Mittelmeer besegelt. Unglaubliche 70.000 Seemeilen liegen in ihrem Kielwasser. Die 80 haben beide hinter sich gelassen. Wir sind voller Bewunderung. Und verbringen einen unvergesslichen gemeinsamen Abend an Bord ihrer Plejade.

Seglerisch ist unsere Woche 12 wunderbar. Wir haben immer Wind, manchmal auch zu viel davon. Die Motorzeiten liegen jeden Tag unter einer Stunde. Und es gelingt uns, die eine oder andere Yacht zu versegeln. Erst heute haben wir auf der Kreuz eine Elan 40  abgehängt 🙂 ! Das Wetter ist ein wenig gemischt und der Wind noch immer kühl. Für die kommende Woche sind steigende Temperaturen mit viel Sonne und wenig Wind versprochen. Wir werden sehen.

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Unser herrliches Leben

Die nächsten Abenteuer warten auf uns: Stockholm und danach der Göta-Kanal. Und wir bekommen Besuch. Unser Freunde Tom und Tinne aus Bochum werden uns ein Stück begleiten.

Start: Öregrund    1: Flaten   2: Norrtälje   3: Inra Hamnskär   4: Hemholmen/Ostholmen   5: Sandhamn/Lökholmen   Ende: Nämdö

2 Gedanken zu “nix als schärereien

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