inselgeschichten

Die verrückten Ameisen

Yellow Crazy Ants – gelbe Spinnerameisen – wurden 1999 auf Christmas Island entdeckt. Seitdem sind mehrere große Ameisenkolonien (Supercolonies) entstanden, und ihre Zahl ist außer Kontrolle. Problematisch ist, dass diese Ameisen immer mehr rote Krabben töten, indem sie ihnen Ameisensäure in Augen, Mund und Gelenke sprühen. Um die Ameisenkolonien zukünftig kontrollieren und damit die für das gesamte Ökosystem der Insel so wichtigen roten Krabben erhalten zu können, wurde nach 10-jähriger Forschungsarbeit eine parasitäre Wespe aus Malaysia eingeführt. Wir haben daran mitgearbeitet diese Wespe zu züchten und innerhalb der Ameisenkolonien auszusetzen.

Ein weiteres Projekt des Nationalparks ist die Auswilderung der vom Aussterben bedrohten Echse „blue tailed skink“. Der Übergang vom derzeitigen eingesperrten Leben in die Freiheit erfolgt langsam. Das Gelände dafür wird derzeit vorbereitet, und wir haben einen Tag dort so richtig geschuftet in der brüllend heißen Sonne. Schade nur, dass wir die Auswilderung nicht mehr erleben werden. Sie ist für April geplant.

 

Die Phosphatmine – Hauptarbeitgeber auf Christmas Island

Der größte Arbeitgeber auf der Insel ist die Phosphatmine mit 150 direkten und weiteren 400 indirekten Jobs. Dieser Rohstoff wird nach Indonesien geschickt und dort als Dünger für die Produktion von Palmöl genutzt. Das Phosphat befindet sich im Boden. Für den Abbau muss der tropische Regenwald gefällt werden. Der Nationalpark kümmert sich nach dem Abbau um die Wiederaufforstung der genutzten Flächen.

Wir empfinden es als widersprüchlich, dass der australische Staat auf der einen Seite Millionen australischer Dollars investiert, um vom Aussterben bedrohte Tierarten zu erhalten, andererseits aber weiter Regenwälder abgeholzt werden. Ist das die gewünschte Balance, die in Bezug auf die Natur hier angestrebt wird?

Niemand weiß, wie lange die Mine der Insel noch erhalten bleibt. Irgendwie ist sie Fluch und Segen zugleich. Klar ist, dass der Rohstoff irgendwann zu Ende geht. Daher gilt es, sich neue Einnahmequellen zu erschließen, denn viele Bewohner wollen hier bleiben. Nichts liegt näher als der Tourismus. Erste Projekte sind geplant, aber es ist sicher noch ein langer und steiniger Weg, bevor nennenswerte Touristenzahlen auf Christmas Island erzielt werden. Wir finden es gut, dass wir das Eiland noch so unberührt erleben können.

Christmas Island und die Flüchtlinge

Ein weiteres, sehr politisches Thema auf der Insel sind die Flüchtlinge. Sie erreichen die Insel per Boot aus Indonesien. Viele von Ihnen kommen aus Syrien und Afghanistan – ähnlich wie bei uns. Es hat in den vergangenen Jahren bereits einige Bootsunfälle in schwerem Wetter vor der Insel gegeben, bei denen viele Flüchtlinge ums Leben gekommen sind. Inzwischen hat die Zahl abgenommen, aber es waren 4.000 Flüchtlinge auf der Insel. Anders als bei uns werden sie hier im sogenannten „Detention Center“ eingesperrt und leben wie in einem Gefängnis. Das Gelände befindet sich weit weg an der anderen Seite der Insel am Northwest-Point, und niemand darf es verlassen. Viele Flüchtlinge bleiben dort für ein oder zwei Jahre, manche auch deutlich länger. Wenn es dann weiter geht, werden sie auf weiter westlich liegende australische Inseln gebracht, die ihnen keinerlei Perspektiven bieten und auf denen sie wieder eingesperrt leben. Die australische Flüchtlingspolitik wird auch hier auf der Insel sehr kontrovers diskutiert. Leider können wir keine Fotos vom Detention Center zeigen, weil das Fotografieren dort verboten ist.

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Gedenktafel für Flüchtlingsopfer

Unbeschwertes Leben

Nach einigen Wochen auf der Insel ist uns eine entscheidende Sache klar geworden: Das Leben hier ist unbeschwerter und einfacher, als wir es kennen. Das hängt sicher mit der Mentalität der Australier und auch mit dem Klima zusammen. Und trotzdem ist es noch mehr und schwer zu beschreiben. Wenn ich beispielsweise daran denke, wie formell wir uns in unserem beruflichen Alltag begegnen. In den ganzen Wochen hier, egal ob im Job, bei der Bank oder sonst wo – nirgends ist mir etwas vergleichbares begegnet. Das heißt nicht, das hier alles Friede, Freude, Eierkuchen ist. Ganz und gar nicht. Das Miteinander im Job und die Unzulänglichkeiten unterscheiden sich nicht von dem, was wir kennen. Und trotzdem werden die Dinge weniger ernst genommen. Und die Freizeit hat einen wesentlich höheren Stellenwert als bei uns.

Das lockere und formlose Miteinander wird vielleicht auf dem Foto unseres erweiterten Projektteams nochmals deutlich.

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Apropos Freizeit: Unseren geplatzten Bootsausflug haben wir eine Woche später nachgeholt. Was für ein wundervoller Tag!

Letzten Sonntag haben wir noch einen Ausflug zum South Point gemacht. Dorthin gab es während des aktiven Minings im Süden der Insel mal eine Eisenbahnlinie. Der kleine ehemalige Ort wurde nach dem Ende der Aktivitäten wieder dem Erdboden gleichgemacht. Lediglich der ehemalige Bahnsteig incl. ein paar verbogener Schienen sowie ein chinesischer Tempel sind noch zu sehen. Ich empfinde diesen Ort als historisch hier auf der Insel. Und die Atmosphäre dort ist ganz besonders.

Zum Schluss noch ein paar Fotos von unserer Unterkunft hier auf der Insel. Wir haben es wirklich nett, allein in diesem großen Haus.

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