kein tag wie der andere

Zu Beginn unserer Zeit auf Christmas Island haben wir uns Gedanken darüber gemacht wie wir unseren Blog in den kommenden Wochen füllen sollen. Gibt es immer wieder etwas zu erzählen, wenn man mehrere Wochen an einem Ort ist? Die Antwort darauf ist ein eindeutiges „ja“. Wir haben das Gefühl, jeden Tag neue Geschichten erzählen zu können, so viel passiert hier in unserem Leben. Also fassen wir uns kurz und versuchen die Details ein wenig in den Hintergrund zu rücken.

Christmas Island – Schmelztiegel der Kulturen

Eine Besonderheit von Christmas Island ist, dass sich hier sehr unterschiedliche Kulturen in einer friedlichen Gemeinschaft zusammengefunden haben. Auf der Insel leben drei Gruppen: Chinesen, Malayen und Europäer. Wobei mit Europäern Australier gemeint sind oder vielmehr Menschen mit weißer Hautfarbe. Damit sind neben unterschiedlichen Hautfarben auch drei unterschiedliche Religionen vertreten.

Die folgenden Fotos zeigen ein paar Impressionen dieses Miteinanders, das einem überall auf der Insel begegnet.

Jede Gruppe hat ihre eigenen Traditionen, Feste und Feiertage. Gefeiert wird dennoch miteinander.

Wir hatten das Glück, das chinesische Neujahrsfest mitzuerleben. Auf einem Platz im Ort findet ein Lion Dance vor den Augen des chinesischen Botschafters statt. Nachdem der Spuk vorbei ist, gibt es für alle Anwesenden kostenloses Essen, was natürlich dankend angenommen wird. Schließlich gibt es seit Tagen keine frischen Produkte mehr zu kaufen, weil das Schiff aus Australien auf Grund des rauen Wetters nicht anlegen konnte. Danach ging es weiter mit Karaoke – Zeit für den Heimweg…

Man kennt sich – man hilft sich

Für uns ist es nach wie vor sehr ungewohnt, dass alle Haustüren offen sind und die Schlüssel in den Autos stecken. Niemand schließt ab. Für unser Haus gibt es auch gar keine Schlüssel mehr. Die hat wohl irgendein Volontär versehentlich mitgenommen. Laptop, Geld, Mobiltelefone und Papiere liegen in der Wohnung, und wir machen uns keine Sorgen. Was für ein schönes Gefühl nach den Erfahrungen in Südamerika.

Seit einigen Tagen haben wir ein Auto! Kollege Kent meint, er habe noch eines rumstehen und wir können es gerne so lange nutzen, wie wir wollen. Nach der Arbeit nimmt er uns mit zu sich nach Hause und übergibt uns ohne irgendwelche Ansagen seinen alten Toyota Pick-up-Truck, natürlich mit 4-wheel-drive. Mit dieser coolen Kiste ist unsere Unabhängigkeit nun grenzenlos. Vorher sind wir immer getrampt, was auf der Insel auch super klappt. In der Regel hält das erste Auto an. Aber mit eigenem Fahrzeug ist es natürlich noch viel besser.

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Das Wetter ist ruhiger geworden, und endlich war das Versorgungsschiff da. Es gibt wieder frische Waren zu kaufen. Jeden Tag nach der Arbeit gehen wir schwimmen und schnorcheln bei 29 Grad Wassertemperatur. Das Wasser ist traumhaft, die Korallen und vielen Fische wunderschön, das Klima einfach großartig. Dazu so gut wie kein Tourismus, viel Ruhe und Entspannung überall. Was für ein herrliches Leben auf diesem besonderen Flecken Erde. Es ist eindeutig, dass alle hier das Leben auf ihrer Insel sehr genießen.

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Badetag am Jetty
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Ausruhen nach langer Schnorcheltour

Glück gehabt

Am letzten Sonntag gehen wir früh um 7.00 Uhr mit Brendan auf eine Bootstour. Endlich die Insel vom Wasser sehen! Es ist nicht ganz einfach, sein Boot mit dem Trailer an der Bootsrampe ins Wasser zu befördern. Ist halt alles etwas beschwerlich hier. Es gibt keinen Hafen, die Bootsrampe ist steil und das Meer unruhig. Beim Reinlassen steigen drei recht hohe Wellen ein und wir starten mit viel Wasser im Boot. Die Lenzpumpe und ein schöpfender Andi beheben das Problem in wenigen Minuten. Doch dann piept es plötzlich und eine Kontrolllampe leuchtet. Da haben wir wohl doch zu viel Wasser genommen. Brendan beschließt, das Boot wieder rauszuholen um das Problem zu lösen.

Beim Versuch, das Boot auf den Trailer zu bringen erwischt uns eine sehr hohe Welle, die das Boot zur Seite auf die Steine drückt. Bei dieser Aktion gerät Brendan unter den Trailer und der Andi wird etwa fünf Meter über die Felsen gedrückt. Mit blutender Kopfwunde bei Brendan, einem aufgeschürften Rücken von Andi und der Hilfe eines herbeieilenden Tauchers gelingt es uns nach einiger Zeit, das Boot auf den Trailer zu bekommen. Das war kein Spaß. Brendan hatte offensichtlich eine Nahtoderfahrung und wird die ganzen kommenden Nächte von Albträumen geplagt. Andi ist weniger geschockt, fällt aber am Montag beim Job direkt von der Leiter aus etwa vier Meter Höhe und landet auf dem Rücken. Außer einem fetten Bluterguss ist zum Glück nichts passiert und der Andi gilt ab sofort als „the unbreakable German“. Jetzt reicht es aus mit dem Pech. Weiter gehts mit freudigen Ereignissen.

Jeden Tag was Neues

Montagabends verabschieden wir Volontärskollegin Karlina und genießen den Sonnenuntergang am einem wunderschönen Aussichtspunkt.

Mittwoch sind wir zum Abendessen bei Amy und Brendan eingeladen und treffen das Filmteam, dass gerade für den NDR einen Dokumentarfilm über die Krabben auf Christmas Island dreht. Wir sehen erste Sequenzen daraus und sind hingerissen.

Donnerstag haben wir frei und nutzen unser Auto für den Besuch weiterer Inselhighlights. Jeder, der uns entgegen kommt, grüßt. Ob das am Auto liegt?

Freitagabend geht es zum Sonnenuntergang zum Martin Point – zusammen mit Amy, Brendan und den Kids. Das komplette Abendessen wird mitgenommen. Auf dem Rückweg müssen wir höllisch aufpassen auf die Krabben, die über die Straßen wandern.

Mit jedem weiteren Tag auf der Insel lernen wir neue Leute kennen. Natürlich kennt jeder jeden, und dadurch entwickeln sich immer mehr Begegnungen, Gespräche und Möglichkeiten. Ich bemerke, dass ich mich in die Insel verliebe. Mich fasziniert das Leben hier. Die Australier sind so unkompliziert, das Wetter immer gleich toll, die Natur unbeschreiblich schön, der Job unerwartet interessant.

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