tiefpunkt

Jede Reise hat ihre Höhepunkte und ihre Tiefschläge. Zugegeben: Unsere viereinhalb Monate auf dem Boot waren nahezu eine unendliche Aneinanderreihung von Höhepunkten. Tiefschläge gab es nicht wirklich. Das ist anders bei unserer Bus-Tour durch Südamerika. Nachdem wir den Bus in Montevideo problemlos aus dem Zoll bekommen und unser erstes großes Highlight, die Iguazu-Fälle, besucht haben stellen sich einige Tiefpunkte ein.

Als erstes muss vor allem ich mich an die endlos langen Strecken im Auto gewöhnen. Argentinien ist groß, 1.500 Kilometer in drei bis vier Tagen bei Tempo 90 durch gähnend langweilige Landschaften sind lang und endlose Fahrerei. Die Dichte der Campingplätze ist mehr als niedrig und das Niveau der dortigen Anlagen so gut wie immer mies. Ich habe inzwischen ein Rating für die Qualität von Toiletten entwickelt:

1. Sauber

2. Klobrille vorhanden

3. Toilettenpapier

4. Spülung funktioniert

5. Abschließbar

In den meisten Fällen sind Punkt 1. bis 5. nicht erfüllt. Für die Duschen ist ein Rating nicht notwendig, weil es fast nie Duschen gibt, warme erst recht nicht. Not macht bekanntlich erfinderisch und so nutzen wir Duschen an Tankstellen oder duschen nicht. Hinzu kommt, dass viele Stellplätze extrem laut sind. Am Wochenende sollte man Städte und Orte meiden. Irgendwo ist immer eine Party, die nicht vor fünf Uhr morgens endet. Wir sind halt im lebenslustigen Südamerika.

Dann hat uns auch noch die rechte Vorderbremse unseres Busses verlassen, bzw. irgend so ein Kolben funktioniert nicht mehr. Wir also zum Mecanico in Residencia. Der erste hat keine Zeit, der zweite (VW-Händler vor Ort) auch nicht. Beim Dritten läuft es dann und ist eine sehr nette Erfahrung mit den Menschen. Allerdings baut er uns einen zu großen Kolben ein und wir müssen in den kommenden Tagen zu zwei weiteren Werkstätten, bis der Schaden endlich erkannt und behoben ist.

Ja und dann noch unser Sprachproblem. Wir haben einfach nicht erwartet, dass Südamerika ohne Spanisch-Kenntnisse so schwer zu bereisen ist. Klar, am Ende geht es immer irgendwie. Aber mit Spanisch wäre es viel einfacher und auch schöner.

Es fällt uns also nicht ganz leicht, uns nach den vielen entspannten Segelwochen auf dieses neue Abenteuer einzulassen. Wir brauchen ein wenig, um uns an das andere Leben in diesen so ganz anderen Ländern zu gewöhnen. In den kommenden Tagen erwarten uns besondere Landschaften in Bolivien. Mal sehen, ob wir unseren Frieden schließen mit den neuen Umständen und wieder in den Genussmodus hinübergleiten. Hoffentlich!

Einen Punkt wollen wir jedoch nicht unerwähnt lassen. Dabei geht es um all die netten Begegnungen, die wir täglich haben. Es beginnt mit dem Argentinier Jorge, der einfach Halt macht, als wir unglücklich an der Straße stehen mit heiß gelaufener Vorderbremse und uns seine Hilfe anbietet (er spricht sogar englisch!!!). Weiter geht es mit Wolfgang und Anke, die wir in Resistencia treffen. Die zwei haben in Deutschland alles verkauft und touren seit drei Jahren mit ihrem beeindruckenden Heim auf Rädern durch Südamerika. Ihre Tipps sind Gold wert für uns und die Gespräche mit Ihnen erfrischend und anregend. Dann die Begegnung mit den Backpackern Jan und Kasia aus Slowenien. Sie stehen mit ihrem kleinen Zelt neben uns und kommen plötzlich mit einer gefüllten Halbliter-PET-Flasche vorbei. Der Inhalt: selbstgebrannter slowenischer Blaubeer-Schnaps. Wir leeren die Flasche gemeinsam und haben viel Spaß. Und so geht es weiter. Jeder Tag bringt neue tolle Begegnungen.

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Wolfgang und Anke vor ihrem M.A.N.

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