„poor niagra“

Als Eleanor Roosevelt, die Frau des amerikanischen Präsidenten Franklin D. Roosevelt, die Iguazu-Fälle in Argentinien besuchte war ihr Kommentar: „poor Niagara“. Jetzt wissen wir was sie damit gemeint hat.

Wir sind 1.500 Kilometer in den Nordosten Argentiniens gefahren, um dieses Weltwunder zu sehen. Wir waren an den Niagarafällen zwischen Canada und den USA. Wir haben die Victoriafalls zwischen Zambia und Simbabwe gesehen. Aber die Iguazu-Fälle toppen alles.

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Sie sind groß. Sie sind laut. Sie sind atemberaubend.

Glücksgefühle stellen sich ein beim betrachten dieses Naturwunders. Kraft, Größe und Geräuschkulisse werden nur durch das persönliche Erleben begreifbar. Beim Anblick des halbkreisförmigen „Garganta del Diabolo“, dem größten Wasserfall, vergessen wir die Welt um uns herum.

Wir sind den ganzen Tag unterwegs und verweilen an jedem Aussichtspunkt. Immer wieder ergeben sich neue Blicke, neue Perspektiven. Gegen Mittag wird es voller, mehr und mehr Reisegruppen aus aller Welt machen sich auf den Weg. Es ist eine bunte Mischung, die das große Erlebnis noch zusätzlich bereichert

Abends sind wir nach circa 20 Kilometer Fußmarsch kaputt und glücklich. What a day! Und wie Frau Roosevelt finden auch wir, dass die Niagarafälle im Vergleich zu den Iguazu-Fällen nicht mithalten können.

Bereichert wird unsere Zeit an den Iguazu-Fällen darüber hinaus durch unsere wunderschöne Unterkunft bei Carlos sowie die Begegnung mit David aus Alaska. David ist seit 18 Monaten mit seiner BMW-Enduro unterwegs rund um die Welt. Er ist bereits 50.000 Meilen gefahren, plant Weihnachten in Ushuaia/Feuerland zu feiern und von dort nach Afrika überzusetzen. Wir feiern mit ihm seinen 65. Geburtstag und genießen die Gespräche mit diesem ungewöhnlichen und besonderen Amerikaner.

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David, good luck and hope to see you soon!

Die Fahrt von Uruguay hoch nach Iguazu war eher unspektakulär. Unser Grenzübertritt hat reibungslos funktioniert. Das ist nicht selbstverständlich in Südamerika, vor allem dann, wenn man wie wir kein spanisch spricht und versteht. Hinzu kommt die Problematik, dass wir weder tierische noch pflanzliche Produkte einführen dürfen. Bereits bei der Einreise in Uruguay hatten sie uns alle Früchte, Käse, Salami und Butter weggenommen. Dieses Mal haben wir alles versteckt oder aufgegessen. Aber niemand hat sich dafür interessiert. Auch gut.

Unser Weg in den Norden führt uns durch riesige Weideländer voller argentinischer Rinder, Orangenplantagen im Erntemodus und zahlreichen Straßenständen, an denen Orangen säckeweise angeboten werden. Plötzlich wird die Landschaft hügelig, der aufgeforstete Nutzwald weicht langsam dichtem tropischem Regenwald. Von den einst länderübergreifend eine Million Quadratkilometern tropischem Regenwald in dieser Region sind mehr als 90 Prozent abgeholzt worden. Unterwegs begegnet und an vielen Stellen eine Art Schrein mit roten Fahnen. Der Reiseführer klärt uns auf: Gauchito Gil gilt als argentinischer Robin Hood und wird als Volksheiliger verehrt.

Erstmals haben wir uns getraut, wild zu campen. Ein wunderbarer Platz am Fluss war gut für diese Premiere. Trotzdem lauschen wir jedem Geräusch hinterher und merken, dass wir uns erst wieder daran gewöhnen müssen, ganz allein irgendwo zu stehen.

Danach besuchen wir zwei Jesuitenmissionen rund um San Ignazio Mini. Bevor die Kolonialmächte Einfluss in Argentinien bekamen, lebten zahlreiche indigene Völker hier in mehr als 40 Missionen der Jesuiten. Viele davon können besichtigt werden. Die spektakulärste erwischen wir bei Regen und Gewitter, die zweite ist ganz entzückend, weil vom Urwald überwuchert.

Überall wo wir hinkommen ist es leer und ruhig. Der Frühling beginnt gerade. Die Campingplätze sind nur wenig bis garnicht besucht. Das Wetter ist wechselhaft, aber warm.

Wir bekommen so langsam ein Gefühl für Land und Leute. Ein großes Problem sind allerdings unsere fehlenden Sprachkenntnisse. Das hatten wir uns einfacher vorgestellt. Irgendwie klappt es zwar immer mit der Verständigung, aber mehr eben nicht. Unterhaltungen sind unmöglich. Dadurch entgeht uns vieles, denn die Menschen hier sind nett und offen. Englisch spricht leider fast niemand.

3 Gedanken zu “„poor niagra“

  1. Iris Friedrichsen

    Hallo Moni und Andi, ihr wolltet ja nicht auf mich hören was die Sprache angeht… 😎 Aber ihr schafft das schon 🍀🍀🍀
    Herzliche Grüße und weiterhin viel Glück und Spaß wünschen Iris und Charles von der SY Isygo . Vielleicht erinnert Ihr Euch noch, wir lagen in Bagenkop nebeneinander…
    🙏🏻

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  2. Simone Willebrand

    Hallo ihr Lieben, habe mich gefreut, heute am Freitagabend, mal wieder etwas von euch zu lesen. Die Fotos sind ja super. Passt auf euch auf !!! Weiterhin gute Fahrt und liebe Grüße, Simone

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