ain’t no mountain high enough

Von Fünftausendern, Flamingos, Lagunen, Millionen von Sternen und Waschbrettpisten

Die Atacamawüste – ein Wort, dass uns seit vielen Jahren fasziniert. Wir denken an Millionen Sterne, an klaren Himmel, hohe Berge und außergewöhnliche Natur. Und an Teleskope, die besonders hohe Reichweiten haben, wegen der reinen Luft.

Es war nicht ganz einfach für uns in die Atacamawüste zu kommen. Nach problemlosem Grenzübertritt von Bolivien nach Chile verläßt uns leider die Teerstrasse. Wir fahren 44 Kilometer über übelste Waschbrettpiste, immer im zweiten Gang und mit maximal 20 Stundenkilometern. Das kostet nicht nur Zeit, sondern vor allem Nerven. Unser Bus hält tapfer durch, und irgendwann kommen wir in San Pedro de Atacama an. Ein Ort für den Tourismus gemacht. Zum ersten Mal erleben wir in Südamerika Touristenströme und Tourenbieter ohne Ende.

Nach zwei Nächten auf einem entzückenden Campingplatz mit netten neuen Bekanntschaften – wir nutzen die Zeit und befreien den Bus von Staub und Dreck, waschen unsere Wäsche und geniessen endlich wieder eine warme Dusche – fahren wir wieder in die Natur in Richtung Paso Sico.

Nach 100 Kilometern wieder Waschbrettpiste. Aber die Mühe lohnt sich. Wir erleben zwei wunderschöne Lagunen, deren Schönheit sich nicht in Worte fassen lässt. Und die wir auch nicht auf Fotos festhalten können. Sie ist gespeichert in unserem Kopf – für immer. Wir müssten mindestens alle zwei Minuten einen Fotostopp einlegen, weil es so unendlich viele schöne Blicke festzuhalten gibt. Was für ein Dilemma, denn damit ist an Vorwärtskommen nicht zu denken. Hier nur einige Impressionen:

Eine Nacht stehen wir hier oben ganz allein auf über 4.000 Meter. Noch nie haben wir so viele Sterne am Himmel gesehen. Sie reichen bis hinunter zum Horizont. Die Stille ist fast anfassbar. Morgens entdecken wir Eisstücke in unserer Spülschüssel, die draussen stand. Und einige Vicunas kommen zu Besuch, dazu dutzende rosafarbener Flamingos. Es fällt uns sehr schwer, uns von diesem paradiesischen Ort zu trennen.

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Millionen von Sternen
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Der Andi malt mir ein Herz an den Sternenhimmel.

Von San Pedro de Atacama geht es nach Antofagasta, der drittgrößten Stadt Chiles. Auf dem Weg sehen wir zahlreiche riesengroße Kupferminen. Davon lebt nicht nur dieser Landstrich gut, sondern ganz Chile. Staubige Abraumhalden von beeindruckender Größe mitten in der Wüste säumen die Strecke. In Antofagasta fahren wir zum Mechaniker Luis, um unsere Bremsen nochmals checken zu lassen. Luis ist bei den Overlandern eine Institution. Jetzt verstehen wir auch warum: Seine fachliche Kompetenz („your Bus is in an exzellent condition!“) wird ergänzt durch seine gastfreundliche und herzliche Art. Er hat einen ausgeprägten Humor und läßt uns ganz selbstverständlich in seiner Werkstatt übernachten. Seit Wochen hatten wir keine bessere Dusche, und die Toiletten erfüllen mein Ranking komplett. Luis ist ein wirklich toller Mensch.

Chile ist das vierte Land auf unserer Reise. Wieder entdecken wir Unterschiede. Neuere Autos, bessere Straßen und höhere Preise machen deutlich, dass es den Menschen hier wirtschaftlich besser geht. Die Supermärkte sind gigantisch und bieten viele deutsche Produkte an. Und mehr Menschen hier sprechen englisch. Wir gewöhnen uns zunehmend an Land und Leute und kommen so immer mehr an in Südamerika.

Antofagasta liegt übrigens am Pazifik. Endlich sind wir wieder am Meer.

5 Gedanken zu “ain’t no mountain high enough

  1. Micheline Stenzel

    …. beeindruckend, bewegend, traumhaft … ich würde gerne mehr sagen, schreiben wollen, geht nicht … wouw, aber das war mir eh klar, auch diese Reiseberichte werden einen mitreißend mitnehmen… es sind wahre Grenzgänger- Geschichten.
    Herzliche Grüße und passt auf euch auf!
    Micheline

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  2. Liebe Monika, tolle Bilder, schöne Texte, es sieht so aus, als lebt ihr euren Traum. Erinnert mich ein wenig an meine Reise durch Australien. Alles Gute und viele spannende Eindrücke und Begegnungen für eure Reise! Mit einem neblig-regnerischen Gruß aus Hamburg, Claudia

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  3. Simone Willebrand

    Ich kann mich nur diesen beiden Kommentaren anschließen, einfach toll !!! Wenn ihr wieder zurück seid, solltet ihr zwei Bücher veröffentlichen: 1. Ostsee, 2. Südamerika.
    Liebe Grüße Simone

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